Das Museum de Fundatie in Zwolle ist mit der Ausstellung „Marianne von Werefkin – Pionierin des Expressionismus“ für den Ausstellungspreis der niederländischen Museumszeitschrift „Museumtijdschrift“ nominiert.
Darüber hat sich die Museumsleiterin Beatrice von Bormann sehr gefreut: „Diese Nominierung erfüllt uns mit Stolz. Es ist schon etwas Besonderes, das ausgerechnet diese Ausstellung so viel Anerkennung erhält. Werefkin ist eine Künstlerin, die in den Niederlanden fast völlig unbekannt geblieben ist, obwohl ihr Werk und ihre Ideen von großer Bedeutung sind – damals und heute. Dass diese Ausstellung so viel Anerkennung erhält, zeigt, wie bedeutend ihre Stimme in der Welt der Kunst immer noch ist.”
Eine Fachjury wählte zehn verschiedene Ausstellungen des vergangenen Jahres für den Ausstellungspreis aus. Bis zum 15. September können Freunde der Kunst ihren Favoriten wählen. Diese Wahl erfolgt über die Internetseite der Museumtijdschrift, http://www.museumtijdschrift.nl
Zur Ausstellung, die bis zum März 2025 zu sehen war
„Ich schaffe mir ganz bewußt Illusionen und Träume. Darin bin ich Künstler. Ich bin mehr Mann als Frau. Allein das Bedürfnis zu gefallen und das Mitleid machen mich zur Frau. Ich bin nicht Mann, ich bin nicht Frau, ich bin Ich.“ (Marianne von Werefkin, 1905).
Marianne von Werefkin wurde bereits im Alter von zwanzig Jahren der russische Rembrandt genannt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielte sie eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Expressionismus in Deutschland. Und sie war Teil des Künstlernetzwerks „Der Blaue Reiter“. Doch Marianne von Werefkin (1860-1938) ist weit weniger bekannt als die Künstler Wassily Kandinsky, Franz Marc und ihr langjähriger Partner Alexej von Jawlensky. Bis März diesen Jahres war das farbenfrohe Werk von Marianne von Werefkin erstmals in den Niederlanden in einer Retrospektive zu sehen, zusammen mit einer Reihe von Werken ihrer Zeitgenossen.
Marianne von Werefkin lud Künstlerinnen und Künstler aus den unterschiedlichsten Sparten zum Austausch in den Rosa Salon in ihr Haus in München ein. Einen Rosa Salon fanden Besucher auch in der Ausstellung „Marianne von Werefkin: Pionierin des Expressionismus“. Das Museum de Fundatie hatte zu diesem Zweck Künstler aus unterschiedlichen Disziplinen gebeten, in einem digitalen Pink Salon mitzudenken oder über das Werk und Leben von Werefkin und ihren Zeitgenossen nachzudenken.
Über Marianne von Werefkin
Als Spross einer wohlhabenden Familie in Russland erhielt Marianne von Werefkin schon früh alle Möglichkeiten, ihre künstlerischen Talente zu entfalten. Unterrichtete wurde sie zum Beispiel von dem weltberühmten Künstler Ilja Repin. Nachdem sie 1896 mit ihrem Lebensgefährten und Maler Alexej von Jawlensky nach München gezogen war, hörte sie selbst fast zehn Jahre lang mit der Malerei auf, einerseits um ihn zu unterstützen, andererseits auch, um ihre eigene Kunst weiterzuentwickeln. Um nicht im Realismus stecken zu bleiben, musste sie sich neu erfinden.
Marianne von Werefkin war 1907 die erste einer Gruppe befreundeter Künstler, zu der auch Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky und Franz Marc gehörten, die begannen, expressionistisch zu malen – mit intensiven Farben und abstrahierten, flächigen Formen. Während zweier Sommer 1908/09 brachte sie in Murnau am Staffelsee Jawlensky, Kandinsky und Münter diese neue Art der Malerei näher, in der die Darstellung von Emotionen und Gefühlen im Vordergrund stand. Eine Richtung, die später als Expressionismus Weltruhm erlangte.
Für diese retrospektive Ausstellung erhielt das Museum de Fundatie eine außergewöhnlich große Anzahl von Leihgaben der Fondazione Marianne Werefkin im Museo Comunale d’Arte Moderna in Ascona. Hinzu kamen Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen in Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz.
Zur Ausstellung „Marianne von Werefkin – Pionierin des Expressionismus“ erschien ein umfangreicher Katalog mit Beiträgen von Beatrice von Bormann, Direktorin des Museum de Fundatie und Kuratorin dieser Ausstellung; von Mara Folini, Direktorin des Museo Comunale d’Arte Moderna di Ascona; von Leiko Ikemura, bildende Künstlerin; und von Roman Zieglgänsberger, Kurator für Kunst der Klassischen Moderne am Museum Wiesbaden.