Noch bis zum 10. Januar 2026 zeigt das Heinrich Neuy Bauhaus Museum in Steinfurt-Borghorst die Ausstellung „Wir studierten am Bauhaus in Dessau“, die an den Umzug des Bauhauses von Weimar nach Dessau im Jahr 1925 erinnert. Ein entscheidender Schritt in der Geschichte dieser einflussreichen Schule für Gestaltung.
Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums erinnert das Heinrich Neuy Bauhaus Museum mit ausgewählten Werken an Künstlerinnen und Künstler, die am Bauhaus in Dessau studierten oder wirkten: Heinrich Neuy, Carl Marx, Margaret Leiteritz, Fritz Kuhr, Kurt Kranz, Wilhelm Imkamp, Albert Hennig und Herbert von Arend. Ihre Arbeiten zeigen unterschiedliche Positionen innerhalb des Bauhaus-Kanons und machen zugleich die Vielfalt der Bauhaus-Idee sichtbar.
Zu Heinrich Neuy
Heinrich Neuy (27. Juli 1911 – 24. März 2003) studierte von 1930 bis 1932 am Bauhaus in Dessau. Nach einer Tischler- und Holzbildhauerlehre besuchte er zunächst die Kunstgewerbeschule in Krefeld, lernte hier Gestaltungsregeln und Ordnungsprinzipien kennen, die die Schlichtheit der Form zur Leitlinie erklärten.
1930 entwarf Neuy einen sowohl als Sitzmöbel wie als Spielgerät nutzbaren Kinderstuhl aus Holz und Stahlrohr, der für die industrielle Serienproduktion geeignet war. Inspiriert von der Ausstellung “10 Jahre Bauhaus” im Folkwang Museum in Essen bewarb sich der damals 19-jährige Neuy in Dessau. Den Vorkurs absolvierte er 1930 bei Josef Albers. Es folgten Kurse unter anderem bei Wassily Kandinsky, Joost Schmidt, Fritz Kuhr, Karlfried Graf von Dürkheim und Mies van der Rohe. “Was Mies van der Rohe sagte, war von einer Klarheit, die war zwingend”, erinnerte Neuy.
1932 kehrte er in die Werkstatt seines Vaters zurück und legte die Meisterprüfung im Tischlerhandwerk ab. Er heiratete 1937 und übernahm die Tischlerei und das Geschäft Möbel und Kunsthandwerk seines Schwiegervaters. 1947, nach Militärzeit und Kriegsgefangenschaft, führte er den Betrieb weiter. 1960 begann er wieder mit Ausstellungen seiner künstlerischen Arbeiten.
Als Maler und Zeichner richtete Neuy sein Interesse vor allem darauf, durch Form und Farbe Phänomene wie Charaktereigenschaften, Jahreszeiten und insbesondere musikalische Klänge sichtbar zu machen. Dem Aquarell räumte er in seinem Werke besonderen Raum ein.
Zum Heinrich Neuy Bauhaus Museum
Rechtzeitig zum 100. Geburtstag des Namensgebers wurde das Heinrich Neuy-Bauhaus Museum in Steinfurt-Borghorst – nach gut einjähriger Planungs- und fünfjähriger Bauzeit – am 1. Juni 2011 eröffnet.
Entstanden ist ein kleines, aber feines Refugium, in dem „alt“ und „neu“ aufeinander trifft und beides sich harmonisch ergänzt. Das 1668 erstmals erwähnte Stiftskurienhaus der Stiftsdame Margareta Cornelia von Merveldt des ehemaligen Kanonissen- und Damenstiftes Borghorst wurde behutsam restauriert und durch einen dreigeschossigen verglasten Anbau zum Garten hin „geöffnet“ und erweitert. Im Erdgeschoß befinden sich ein Museumsshop und ein Cafe und Restaurant.
Im Obergeschoß laden den Betrachter helle, freundliche, großzügige Ausstellungsflächen und die Stiftsbibliothek mit einer historischen Darstellung des ehemaligen Damenstifts Borghorst ein.
Ausgestellt werden vorwiegend Arbeiten von Heinrich Neuy und anderen Bauhausschülern und Bauhauslehrern in Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen. Die Heinrich-Neuy-Stiftung hat sich geöffnet für Sammlungen und Nachlässe anderer „Bauhäusler“, um diese auch weiterhin geschlossen zu erhalten – eine wahre Bereicherung.
Das Museum, das sich inzwischen auch über die Region hinaus etabliert hat, möchte weiter den Betrachter in die Welt des Bauhauses mitnehmen. Hier entstand eine neue Sprache der Gestaltung, die zahllose Klassiker in Architektur, Design und Malerei hervorgebracht hat. Bis heute beeinflusst diese ungewöhnliche Epoche von 14 Jahren nachhaltig viele Bereiche. So kann man, neben den schon erwähnten Ausstellungen Türklinken, Lampen, Lichtschalter, Tapeten, Glas und Keramik und Möbel, insgesamt aus Entwürfen von „Bauhäuslern“ stammend, anschauen. Ergänzend werden Vorträge angeboten und Projekte begleitet und entwickelt.
Der Um- und Erweiterungsbau wurde vorwiegend mit ehrenamtlichem Engagement gestaltet. In der Bauphase konnten erhebliche Eigenleistungen mit Unterstützung des Denkmalpflegewerkhof e.V.. Steinfurt und des terra nova e.V., Ochtrup erbracht werden. Dazu kamen finanzielle Zuwendungen privater wie auch gewerblicher Förderer aus der Region. So konnten rund 50 Prozent der Mittel generiert werden. Gefördert wurde die Maßnahme durch Mittel des Landes Nordrhein-Westfalen, der NRW-Stiftung, des Landschaftsverbandes Westfalen/Lippe und der Stadt Steinfurt.
Das Museum wird überwiegend ehrenamtlich geführt; unterstützt durch Mitarbeiter mit Behinderungen in einem kleinen Integrationsbetrieb. Darüber hinaus können neben dem Heinrich Neuy Bauhaus Museum e.V. immer wieder Förderer aus der Region gewonnen werden.
Nähere Informationen: Heinrich Neuy Bauhaus Museum,
Kirchplatz 5, 48565 Steinfurt-Borghorst, Telefon: +49 (0) 2552 9958309, E-Mail: mail@hnbm.de