Das Felix Nussbaum-Haus in Osnabrück bietet einen Kosmos von rund 80 Grafiken, Fotografien, Zitaten und Filmmaterial über den Maler, Architekturdoktor, ökologischen Aktivisten und Philosophen.
Der Name Friedensreich Hundertwasser lässt an Bilder in bunter Farbigkeit, mit geschwungenen Linien und märchenhaften Architekturen denken. Seine Traumwelten sind weltbekannt. Berühmt-berüchtigt wird Friedensreich Hundertwasser für die Vision eines Paradieses auf Erden – einem Leben des Menschen in Harmonie mit der Natur, geformt durch individuelle Kreativität. Sein Leben und Schaffen stellt er in den Dienst dieser Vision. In öffentlichen Reden, Briefen, Manifesten oder Demonstrationen vertritt er seine ökologischen und zugleich gesellschaftskritischen Positionen. In Architekturen und gelebtem Umweltschutz lässt er sie real werden. Seine Apelle sind heute noch immer relevant.
Friedensreich Hundertwasser möchte die Menschen öffnen für das Schöne, ihre schöpferischen Fähigkeiten aktivieren und ein Bewusstsein für die Natur und die Notwendigkeit ihres Schutzes anstoßen. Bei dem Aspekt des „Öffnens“ setzt die Ausstellung „Friedensreich Hundertwasser – Paradiese kann man nur selber machen“ an: In einem Kosmos von rund 80 Grafiken, Fotografien, Zitaten und Filmmaterial werden die Besucher des Felix Nussbaum-Hauses im Museumsquartier Osnabrück noch bis zum 31. August für das Wahrnehmen sensibilisiert, mit Fragen zum Reflektieren angestoßen und mit Mitmach-Stationen zum Erschaffen eingeladen. Hundertwassers Werk ist ohne die Unmittelbarkeit eines kindlichen Blicks auf die Welt und die Leichtigkeit von Kinderzeichnungen nicht denkbar. Gemäß seinen Worten: „Warum man die Kinder nicht malen lässt am Trottoir ihre Figuren und an den Wänden und Mauern der Straßen ihre Linien zeichnen? … Lasst die Kinder sprechen…“ möchte die Ausstellung auch das junge Publikum zu Wort und zum Bild kommen lassen und die Erwachsenen einladen, zusammen mit den Kindern durch ihre Augen zu blicken.
Für Jugendliche und Erwachsene, die tiefer in das Thema Friedensreich Hundertwasser einsteigen möchten, bietet die Ausstellung Einführungstexte in die sieben Kapitel der Ausstellung und ausgewählte Hundertwasser-Texte zur Diskussion.
Die Ausstellung ist in Kooperation mit der Ernst Barlach Museumsgesellschaft Hamburg entstanden.
Zu Friedensreich Hundertwasser
Das Werk und Wirken von Friedensreich Hundertwasser (geb. als Friedrich Stowasser in Wien) zählt zu den bedeutendsten Beiträgen innerhalb der Kunstgeschichte der Nachkriegsmoderne. Als wichtiges Mitglied der internationalen Avantgarde in den 1950er-Jahren in Paris entwickelte er seine einzigartige Bildsprache. Eines der zentralen Motive seiner farbstarken Bildwelt ist die Spirale.
Wenn Hundertwasser heute als einer der populärsten europäischen Künstler unserer Zeit gilt, so hat sein graphisches Werk einen großen Beitrag dazu geleistet. Sein Ziel in der Kunst der Graphik war es, innerhalb einer Auflage nicht nur Farb-, sondern auch Formvariationen zu schaffen mit dem Ergebnis, dass jedes Blatt einer Auflage farbig und gestalterisch verschieden ist von allen anderen: ein Unikat.
Hundertwassers Einsatz für eine natur- und menschengerechtere Architektur und sein bahnbrechendes ökologisches Engagement entfaltete sich aus seinem Glauben an die Kraft der Natur und die individuelle Kreativität. Seit den 1980er-Jahren realisierte er Architekturprojekte, in denen es das Fensterrecht und die Baummieter gibt, den unebenen Boden, Wälder auf dem Dach und Spontanvegetation. Seine Bauten zeugen von seinem Einsatz für Vielfalt anstelle von Monotonie, für Romantik, für das Organische und für unreglementierte Unregelmäßigkeiten, für die Spontanvegetation und für ein Leben in Harmonie mit der Natur.
Im Zentrum seines ökologischen Handelns standen Baumpflanz- und Begrünungsaktionen, die Wiederherstellung natürlicher Kreisläufe, der Schutz des Wassers und der Kampf für eine abfallfreie Gesellschaft.
Seine gesellschaftskritischen und ökologischen Positionen verbreitete er mit Manifesten, Briefen, Reden und öffentlichen Demonstrationen, in denen er die reine Funktionalität aller Lebensbereiche, die ungehemmte Wachstumsdoktrin sowie die Anpassung an einen gesellschaftlichen Konformismus kritisierte.
Nähere Informationen: Museumsquartier Osnabrück, Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück, E-Mail: museum@osnabrueck.de, Telefon: 0541 323-2207 oder 0541 323-2237. Geöffnet ist das Museum Dienstag bis Freitag: 11 bis18 Uhr, Samstag und Sonntag:10 bis 18 Uhr.