Herman de Vries – 70 Jahre Natur als Kunstwerk

Bis zum 9. November 2025 zeigt das Rijksmuseum Twenthe in Enschede eine groß angelegte Retrospektive über das Leben und Werk von Herman de Vries (*1931), einem der bedeutendsten niederländischen Künstler seiner Generation.

Vom Forscher zum Künstler

Herman de Vries begann seine Karriere als biologischer Feldforscher, eine Erfahrung, die seine Kunst nachhaltig beeinflusste. In den 1950-er und 1960-er Jahren untersuchte er mit wissenschaftlichen Methoden Ordnung und Zufall in der Natur, was zu seinen ersten zufälligen Arbeiten führte. Um 1970 vollzog er einen radikalen Wandel: Er erkannte, dass die Natur selbst das ultimative Kunstwerk ist. Von da an konzentrierte er sich ganz auf das Sammeln und Ordnen natürlicher Materialien – Blätter, Steine und Erde –, mit denen er seine ikonischen Naturwerke schuf. Die Ausstellung in Enschede entführt die Besucher in seine Welt, von seinen ersten künstlerischen Experimenten bis hin zu seiner tiefen Verbundenheit mit der Natur. Das spiegelt sich auch im Steigerwald wider, dem deutschen Waldgebiet in der Nähe seiner Heimatstadt, wo er viel Inspiration für seine Arbeit findet.

Einzigartige Werke und noch nie gezeigte Archivdokumente

Die Ausstellung im Rijksmuseum Twenthe versammelt erstmals alle Phasen des Œuvres on von de Vries. Zu den Höhepunkten zählen das monumentale Zufallsrelief (1967) – eine Sonderleihgabe des Rijksmuseums Amsterdam – und die beeindruckende Installation „la gomera“, in der er die Kanareninsel als Gesamtkunstwerk präsentiert. Darüber hinaus werden noch nie gezeigte Archivdokumente und Dokumentationen gezeigt, die ein neues Licht auf seine frühe Zeit als Künstler werfen.

Eine Ode an Herman de Vries

Diese Ausstellung zeichnet nicht nur ein vollständiges Bild von de Vries‘ künstlerischem Schaffen, sondern ist auch eine Hommage an seine einflussreiche Vision über die Verbindung zwischen Kunst und Natur. In einem speziellen „Ode-Raum“ wird sein Werk in Dialog mit den zeitgenössischen Künstlern Melanie Bonajo, Milah van Zuilen, Stefan Cools und Nan Groot Antink gebracht, die sich von seinem Werk inspirieren ließen. Die Ausstellung zeigt, wie seine Ideen in einer neuen Generation von Künstlern weiterleben und wie wichtig sein Werk bis heute ist.

Mehr als sechzig Werke

Mit mehr als sechzig Werken, verteilt auf neun Museumsräume und den Hofgarten, ist „Herman de Vries – 70 Jahre Natur als Kunstwerk“ die bisher umfangreichste Ausstellung zu seinem Schaffen. Anlässlich der Ausstellung erscheint eine reich bebilderte Publikation und es wird ein umfangreiches öffentliches Programm organisiert.

Biografisches zu Herman de Vries

Der 1931 in Alkmaar geborene Herman de Vries besuchte von 1949 bis 1951 die Reichsgartenbauschule in Hoorn und arbeitete anschließend als Landarbeiter und Gärtner in Frankreich und den Niederlanden. Von 1961 bis 1968 war er Mitarbeiter am Institut für angewandte biologische Forschung in der Natur. Er lebt seit 1970 in Knetzingen (Unterfranken). 1953 begann de Vries künstlerisch zu arbeiten und hatte 1954 seine erste Einzelausstellung. Seine Arbeiten wurden unter anderem beim Skulptur.Projekt, Münster und auf den Biennalen in Venedig und Lyon gezeigt.

Nähere Informationen: Rijksmuseum Twenthe, Lasondersingel 129-131, 7514 BP, Enschede, Telefon +31 53201 2000, Internet www.rijksmuseumtwenthe.nl. Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

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