Ein Schloss für Joseph Beuys und manches mehr

Wer sich für das Werk des Künstlers Joseph Beuys interessiert, kommt um einen Ort nicht herum: das Schloss Moyland in Bedburg-Hau am Niederrhein. Auch ansonsten lohnt sich ein Besuch – insbesondere wegen der Park- und Gartenanlagen.

Vorbemerkungen

Wenn es um den Namen Joseph Beuys geht, haben wohl viele Aktionen wie „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ in einer Galerie in Düsseldorf, den alten VW-Bus mit 24 Schlittenobjekten, der 1969 beim Kölner Kunstmarkt den damals sensationellen Preis von 110000 Euro erzielte, die Kleidung, bestehend aus Jeans, weißem Hemd mit Anglerweste und Filzhut, die zum Markenzeichen wurde, die „Fettecke“ in der Düsseldorfer Kunstakademie, die von einem Hausmeister entfernt wurde, weil er es nicht als Kunstobjekt wahrnahm, die mit Mullbinden und Heftpflastern versehene Badewanne, die nach einer Komplettreinigung von einem SPD-Ortsverein für die Kühlung von Bier genutzt wurde, oder das von ihm mehr schlecht als recht gesungene Lied „Sonne statt Reagan“ im Kopf – und natürlich die erregte Diskussion in vielen Medien darüber, ob das von Beuys geschaffene Werk Kunst sei oder weg könne.

Wer aber bereit ist, sich mit der Person Beuys und seinem Werk ohne Vorurteile zu nähern und sich näher damit zu beschäftigen, dem sei der Besuch des Schlosses Moyland empfohlen.

Zur Geschichte der Burg beziehungsweise des Schlosses

Bevor aber auf Beuys und sein Werk sowie die Umnutzung des Schlosses als Kunstmuseum näher eingegangen wird, soll die lange Geschichte des Schlosses kurz beleuchtet werden.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde es im Jahre 1307. Die erste „Burg“ Moyland war eine vierseitige von Wasser und Wehrmauern umgebene Befestigung mit drei hufeisenförmigen Ecktürmen und einem wehrhaften und bewohnbaren Bergfried. Nach weiteren Umbauten im Mittelalter und im Barock geht die heutige Schloss- und Gartenanlage auf das späte 19. Jahrhundert zurück. Der Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner gestaltete ab 1854 das Äußere des Schlosses im neugotischen Stil um. Bis 1945 diente es der äußerst wohlhabenden Familie Steengracht als ständiger Wohnsitz und war ein beliebtes Ziel für Reisende am Niederrhein. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg drohte das Schloss zu verfallen. Es wurde von alliierten Soldaten und der Zivilbevölkerung geplündert, so das Interieur, die Kunst- und Porzellansammlung und die Bibliothek verloren gingen. Erste Sicherungsmaßnahmen für die Schlossruine wurden 1956 durch einen Großbrand zunichte gemacht.

Trotzdem reiften Pläne für einen Wiederaufbau. Es galt, eine neue Nutzung zu finden. Bereits 1964 entstanden erste Pläne für den Umbau zu einem Museum, in der die Sammlung van der Grinten eine neue Heimat finden sollte. Der Kunstsammler, Museumsdirektor, Schriftsteller und bildende Künstler Hans van der Grinten hatte gemeinsam mit seinem Bruder, dem Kunsthistoriker, Sammler, Künstler und Kunsterzieher Franz Joseph van der Grinten, eine umfangreiche Kunstkollektion mit mehr als 60.000 Werken aus dem 19. und 20. Jahrhundert und eine um die 100.000 Exemplare zählende, „treuhänderisch“ übergebene Sammlung an Archivalien von und über Joseph Beuys aufgebaut.

Aber erst nach über 20 Jahren konnten unter anderem mit der Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen die Pläne für einen Umbau in die Tat umgesetzt werden. Unter der Leitung des Kranenburger Architekten Karl Ebbers wurde 1987 mit der Entschuttung begonnen. Danach wurde das Äußere gemäß den Plänen des Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner wieder aufgebaut. Für die Nutzung als Museum wurde es im Inneren in Galerien, Kabinetten und Sälen aufgeteilt, die sich an die historische Raumaufteilung anlehnt; und die Unterteilung des hohen Dachstuhls ermöglichte ein neues Geschoss.

Eingebettet in die niederrheinische Landschaft bietet das neugotische Wasserschloss Moyland mit seiner historischen Gartenanlage aus dem 19. und dem frühen 20. Jahrhundert ein Ensemble von hohem kunst- und kulturgeschichtlichem Rang. Barocke Elemente wie das Alleen- und Grabensystem bestimmen noch heute die Grundstruktur des Gartens. Zeitgleich mit der neugotischen Umgestaltung des Schlosses wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert ein Garten im gemischten Stil angelegt. In ihm verbinden sich Partien im Stil des „Englischen Gartens“ mit Strukturen des „Architektonischen Gartens“ zu einer situationsreichen Park- und Gartenlandschaft. Sie wurde parallel zum Wiederaufbau des Schlosses ebenfalls nach ihrem letzten historisch überlieferten Zustand wiederhergestellt.

Neueröffnung im Jahr 1997

Die Neueröffnung erfolgte im Jahre 1997. Kernbereich des Museums ist seitdem das künstlerische Schaffen von Joseph Beuys. Mit ihm waren die Brüder van der Grinten bereits seit den 1950-er Jahren eng befreundet; und sie waren die Ersten, die Arbeiten von ihm erwarben. Nahezu 6000 Arbeiten von Joseph Beuys – Zeichnungen, Wasserfarbenblätter, Ölgemälde, plastische Bilder und plastische Arbeiten – befinden sich in der Sammlung des Museums Schloss Moyland. Darüber hinaus erhielten die Sammler von Beuys auch zahlreiche Archivalien zu dessen Leben, Werk und Wirken, die den Grundstock des Joseph Beuys Archiv innerhalb der Stiftung Museum Schloss Moyland bilden.

Architektonischer Nachtrag: Nordturmhelm

Was bei der Neueröffnung noch fehlte, war der sogenannte Nordturmhelm, der im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Der Nordturmhelm geht auf die schon erwähnte Umgestaltung durch den damaligen Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner zurück. Mit dem hohen Turmaufbau bezweckte Zwirner ohne Zweifel die Betonung der historischen Funktion des Bergfrieds, die Bedeutung dieses einst als letzte Zuflucht bei kriegerischer Bedrohung entstandenen Bauteils. Gleichzeitig schuf er damit auch die charakteristische, abwechslungsreiche, asymmetrische Silhouette des Schlosses. Zwirner gab seinerzeit dem noch mittelalterlichen Schloss das Erscheinungsbild, an dem sich der Wiederaufbau in den 1980-er und 1990-er Jahren orientierte.

Erst 2008 konnte diese Lücke geschlossen werden. Seitdem ist der fast 30 Meter hohe neugotische Helm auf dem Nordturm des Schlosses wieder das Wahrzeichen Moylands.

Forschungseinrichtung zu Joseph Beuys

Das Joseph Beuys Archiv ist als internationale Forschungseinrichtung Teil der Stiftung Museum Schloss Moyland und zugleich ein Institut der Kunstakademie Düsseldorf. Die Kombination aus umfangreichen Werk- und Archivbeständen von und zu Joseph Beuys unter einem Dach ist weltweit einzigartig.

Dazu gehört erstens die umfangreichste Bibliothek zu Joseph Beuys und beinhaltet Publikationen ab den 1950-er Jahren bis heute, dazu „graue“ (nicht im Buchhandel erhältliche Publikationen) Literatur und Zeitschriften. Der komplette Bestand ist über den Online-Katalog der Museumsbibliothek recherchierbar.

Zweitens alle Presseartikel von 1947 bis hin zu aktuellen Veröffentlichungen, drittens Fotografien ab Anfang der 1950-er Jahre bis 1986 zur Person, zum Werk und zum Wirken, viertens Dokumente, Briefe und Schreiben an Joseph Beuys von zirka 1950 bis 1986 – unter anderem Drucksachen, Flugblätter, Manuskripte und Notizen, fünftens Drucksachen zu Beuys-Ausstellungen, Tagungen und Veranstaltungen von 1960 bis heute, sechstens audio-visuelle Medien zur internen Nutzung, siebtens ein Spezialarchiv in Kooperation mit dem ZJM Karlsruhe und achtens ein Spezialarchiv mit dem gesamten künstlerischen Nachlass von Ute Klophaus, zu dem das fotografische Werk mit 15.000 Schwarzweiß-Abzügen, 52.000 Negative und unterschiedliche archivarische Materialien gehören.

Der Skulpturengarten

Kunst wird im Schloss nicht nur indoor, sondern auch outdoor geboten. Im 1997 eingerichteten Skulpturenpark befinden sich zirka 70 Kunstwerke aus der Museumssammlung, darunter Arbeiten von Erwin Heerichs, Eduardo Chillada, James Lee Byars, Gerhard Marcks und vielen anderen. Die Skulpturen, die im ausgehenden 20. Jahrhundert entstanden, fügen sich harmonisch in die historische Gartenanlage ein. Plastische Arbeiten, von kleinformatigen bis zu monumentalen Skulpturen, werden in die abwechslungsreichen Gartenpartien passend eingebunden. Dieses Miteinander von zeitgenössischen Kunstwerken und historischer Gartenkunst eröffnet vielseitige Bezüge zwischen Kunst und Natur, hebt die Kunst aus ihrem musealen Kontext und stellt sie in einen Dialog mit gestalteter Natur.

Für Blumen- und Kräuterfreunde

Wer es nicht so mit der Kunst hat, wird beim Schloss Moyland auch fündig. So ist der Kräutergarten des Museums Schloss Moyland einer der größten und attraktivsten in der Region. Er wurde 1999 nach dem Vorbild des Anholter-Moyländer Kräuterbuches von 1470 angelegt, das sich heute in der Fürstlich Salm-Salmschen Bibliothek der Wasserburg Anholt befindet. In sechzehn Einzelbeeten befinden sich über 300 heimische und ausländische Kräuter, darunter Kräuter des Anholter-Moyländer Kräuterbuchs, Giftpflanzen, exotische Kräuter, ein Beet mit Kräutern, die aus der Antike bekannt sind, außerdem Arzneipflanzen und Kräuter, die in der Pflanzenheilkunde der Hildegard von Bingen eine Rolle spielen, sowie Küchenkräuter.

Damit noch nicht genug verfügt das Schloss Moyland auch über eine umfangreiche Hortensiensammlung. Insgesamt mehr als 2500 Pflanzen aus über 530 unterschiedlichen Hortensiensorten, darunter die prämierte Sorte Schloss Moyland, sind in der historischen Gartenanlage beheimatet und bilden somit die größte Hortensiensammlung in Deutschland.

Jährlich findet auch ein Hortensienfest statt – in diesem Jahr vom 28. bis 29. Juni. Nach dem Festwochenende beginnt dann der zweiwöchige Hortensiensommer. Wenn die Hortensien in voller Blüte stehen und ihre schönste Pracht entfalten, ist das der ideale Zeitpunkt für einen Besuch des Schlossparks Moyland. Während des Hortensiensommers finden vermehrt Hortensienführungen statt und im Moylandshop wird eine Auswahl an Hortensien zum Verkauf angeboten.

Gemütliche Einkehr

Das „Rocco’s“ bietet Kaffeespezialitäten sowie eine hochwertige Auswahl an Kuchen und Torten an. Darüber hinaus können Sie Ihren Besuch mit herzhaften kulinarischen Spezialitäten (täglich wechselnde Auswahl), einem Glas Wein oder einem Aperitif abrunden. Es eignet sich auch für eine mediterrane Mittagspause oder ein Geschäftsessen in gemütlicher Atmosphäre.

Nähere Informationen: Stiftung Museum Schloss Moyland, Am Schloss 4, 47551 Bedburg-Hau, Telefon 02824 951060, E- Mail info@moyland.de. Öffnungszeiten sind im Sommer (1. April – 31. Oktober) Montag 11–17 Uhr (nur Parkanlage), Dienstag–Freitag 11–18 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 10–18 Uhr, im Winter (1. November – 31. März) Montag 11–17 Uhr (nur Parkanlage) und Dienstag–Sonntag 11–17 Uhr.

Hinterlasse einen Kommentar