Das Museum Küppersmühle, direkt im lebhaften Duisburger Innenhafen gelegen, ist eines der größten deutschen Privatmuseen und ein abwechslungsreiches Zentrum für zeitgenössische Kunst.
Dass das ehemalige und abrissgefährdete Speichergebäude für neue Zwecke genutzt werden konnte, war einer Bürgerinitiative zu verdanken, die sich gegen den Abriss wehrte. Als Person hervorzuheben ist der Duisburger Immobilienunternehmer Hans Grothe (*1930 + 2019), dessen Sammlung von 800 Werken von mehr als 40 Künstlern den Grundstock für das neue Museum bildete. Für den Umbau zu einem weiträumigen Kunstmuseum mit 3600 Quadratmetern Fläche wurde das bekannte Schweizer Architekturbüro Herzog & De Meuron engagiert. Feierlich eröffnet wurde das Museum 1999.
Baumängel behoben, Projekt Um- und Erweiterungsbau umgesetzt
2008 traf der Betreiber, die Stiftung für Kunst und Kultur Bonn, die Entscheidung für einen Um- und Erweiterungsbau, der zunächst nicht unter einem guten Stern stand. Der Umbau basierte auf den Plänen des schon einmal engagierten Architekturbüros Herzog & De Meuron, das ein Konzept ähnlich der von ihnen entworfenen Elbphilharmonie vorschlug. Danach war geplant, auf den Röhren des Stahlsilos einen scheinbar freischwebenden Quader aufzusetzen. Darin sollten zwei Etagen mit rund 2.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und 22 neuen Räume entstehen. Baubeginn war 2009, doch dann passierten ähnliche Dinge wie bei der Elbphilharmonie. Im Juni 2011 wurde ein Baustopp für den Erweiterungsbau verhängt, da das Stahlgerüst des Erweiterungsquaders mit erheblichen Baumängeln hergestellt worden war. Die verantwortlichen Bauunternehmen gingen pleite und die Stahlkonstruktion erwies sich als Totalschaden. Das Projekt drohte zu scheitern. Mit im Boot dabei war inzwischen auch das Sammlerehepaar Sylvia und Ulrich Ströher, das mit der Gründung der MKM-Stiftung die notwendigen Voraussetzungen für die Umsetzung des gefährdeten Projekts geschaffen hatte. Trotz der Schwierigkeiten blieb der Auftrag für die architektonische Planung bei Herzog & De Meuron.
Kern der Entwürfe war ein viergeschossiger Anbau, der über die historischen Silos mit dem Stammhaus des MKM verbunden werden sollte. Damit vergrößerte sich die Ausstellungsfläche um rund 2500 Quadratmeter. In den erweiterten Räumlichkeiten wird seit der Eröffnung im September 2021 die Ströher-Sammlung in ihrer ganzen Dimension sichtbar. Sie umfasst rund 1500 Werke deutscher Kunst, ausgehend von den 1950-er Jahren bis in die Gegenwart. Viele der Sammlungskünstler gehören nicht nur in Deutschland, sondern auch international zu den wichtigsten, darunter Werke von Hanne Darboven, Georg Baselitz, Markus Lüpertz, Jörg Immendorf, Gerhard Richter, Anselm Kiefer, A.R. Penck, Sigmar Polke, Imi Knoebel und Rosemarie Trockel.
Aussichtsplattform 40 Meter über den Silos
2024 eröffnete das Museum Küppersmühle auch eine neue Aussichtsplattform, die einen atemberaubenden Blick über Duisburg und das Ruhrgebiet bietet. 40 Meter über den Silos der alten Getreidemühle im Duisburger Innenhafen setzt die Plattform einen weiteren Akzent im Museum. Unter optimalen Wetterbedingungen bietet sie einen Panoramablick auf zahlreiche bekannte Wahrzeichen von Duisburg, darunter der Landschaftspark Nord, die Halde Rheinpreußen, die Salvatorkirche, das NRW-Landesarchiv, das Rathaus, das Stadttheater und die „Goldene Leiter“. Darüber hinaus sind der Rheinturm und die Skyline von Düsseldorf, der Stadtwald in Mülheim und der Gasometer in Oberhausen sichtbar. Die Eröffnung der Aussichtsplattform unterstreicht das Engagement des Museum Küppersmühle, außergewöhnliche Architektur und Kunst in einem einzigartigen Rahmen zu präsentieren.
Was der Direktor sagt:
Wie MKM-Direktor Walter Smerling sagt, vermittelt die Sammlung „ein wesentliches Stück deutscher Kunstgeschichte der Nachkriegszeit. Das Herz, wenn man so will, sind die informellen und abstrakten Maler, die „Gründerväter“ der deutschen Nachkriegskunst wie Willi Baumeister, K.O. Götz oder Emil Schumacher und ihre europäischen Kollegen Emilio Vedova, Maria Helena Vieira Da Silva oder Wols. Auch die Nachfolgegeneration, die sich intensiv mit der Geschichte auseinandergesetzt hat – Anselm Kiefer, Georg Baselitz, Gerhard Richter und andere – ist mit zentralen Werken vertreten. Die Sammlung ist zugleich sehr persönlich, das macht ihren Charakter und ihre Vitalität aus. Man spürt die Begeisterung für die Abstraktion durch die Jahrzehnte, das zeigen Werke von Walter Stöhrer, Christoph M. Gais oder David Schnell. Und das Anliegen der Sammler, „ihre“ Künstler mit Werkkonvoluten aus unterschiedlichen Schaffensphasen zu präsentieren, ist ein großes Glück für das Museum. So lässt sich deutsche Kunstgeschichte erleben, die Lehrer- und Schülergeneration vergleichen, die Werk-Entwicklung einzelner Künstlerpersönlichkeiten nachvollziehen. Der Erweiterungsbau und die Neueröffnung mit der sind ein großes Glück für die Kunstlandschaft der Bundesrepublik Deutschland.“
Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen jährlich bis zu vier Wechselausstellungen hinzu: Retrospektiven renommierter Künstler, thematische Gruppenausstellungen, Präsentationen aktueller Entwicklungen einzelner Künstler oder der Kunstszene eines Landes. Die Ausstellungsreihe „Akademos“ stellt das Werk der Professoren der Düsseldorfer Kunstakademie vor und jährlich findet der bundesweite Förderwettbewerb „Jugend interpretiert Kunst/ Deutsche Bank Stiftung Jugend-Kunst-Preis“ statt.
Wechselausstellungen mit Werken von Immendorf und Krieg
Aktuell sind zwei Wechselausstellungen zu sehen. Unter dem Titel „Zeige, was du hast“ präsentiert das MKM Museum Küppersmühle Werke des renommierten deutschen Künstlers Jörg Immendorff (*1945 +2007) aus der Sammlung Ströher. Immendorff gehört zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Nachkriegskunst. In seinem Werk verband er stets politische Haltung mit künstlerischem Ausdruck. Die Ausstellung bietet einen eindrucksvollen Einblick in seine Welt zwischen Engagement, Provokation und künstlerischer Selbstreflexion.
Unter dem Titel „Maler, Diebe und Gesindel“ erinnert das Museum an den Maler Dieter Krieg (*1937 +2005), der zu den wichtigsten deutschen Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehört und als Vertreter der „Neuen Figuration“ Kunstgeschichte schrieb. Die umfassende Übersichtsausstellung im MKM Museum Küppersmühle legt einen besonderen Schwerpunkt auf das Spätwerk des Künstlers mit Werken aus den 80er und 90er Jahren. Sein künstlerischer Rang ist in der Fachwelt nach wie vor unumstritten, auch wenn er heute in der Öffentlichkeit weitgehend vergessen ist. Mit der Ausstellung „Maler, Diebe und Gesindel“ soll dem entgegengewirkt werden. Ein besonderes Erkennungsmerkmal seiner expressiven und kraftvollen Kunst sind die extremen Formate seiner in heftiger Malweise ausgeführten Gemälde. Dieter Krieg nahm den großen Erfolg der „Neuen Wilden“ in den 1980er-Jahren vorweg. Die Auswahl dieser Ausstellung demonstriert dies mit Schriftbildern und monumentalen Darstellungen von banalen Alltagsgegenständen wie Spiegeleiern, Koteletts, Duschvorhängen, Kerzen und anderem. In seiner Malerei wird neben ihrer verführerisch-sinnlichen Qualität die Fragwürdigkeit der Darstellbarkeit von Dingen besonders deutlich. Krieg war ein obsessiver Leser, und seine Malerei ist geprägt durch eine Affinität zur Literatur seiner Zeit von Sartre und Beckett bis zu Peter Handke und den körperlichen Akt des Schreibens, der zu einem weiteren Motiv der Gemälde wird.
Dieter Krieg, der an der Karlsruher Kunstakademie bei HAP Grieshaber studierte, erregte bereits in den 1960er Jahren durch seinen radikalen Malstil Aufsehen. Schon 1966 erhielt er für seine bis zur Unkenntlichkeit verschnürten und bandagierten Körperdarstellungen den deutschen Preis der Jugend in Baden-Baden. 1978 vertrat er Deutschland auf der Biennale in Venedig. Als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf beeinflusste er eine ganze Generation jüngerer Künstlerinnen und Künstler.
Nähere Informationen: Museum für moderne Kunst Küppersmühle, Philosophenweg 55, 47051 Duisburg, Telefon 0203 30194811, E- Mails: kasse@museum-kueppersmuehle.de (für Kasse und Information), buchung@museum-kueppersmuehle.de (für Buchung von Führungen und Workshops) und office@museum-kueppersmuehle.de (für Stornierungen und Fragen zu Tickets), Internet: www.museum-kueppersmuehle.de. Geöffnet ist von Freitag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr.