„Der Held, der Bösewicht und die Wahrheit“

Im Museum de Fundatie in Zwolle ist noch bis zum 15. Juni eine theatrale Ausstellung der Styropor-Skulpturen des Künstlers Folkert de Jong zu sehen.

Martin Luther als Terrorist verkleidet. Jesus und Maria in vertauschten Rollen. Königin Wilhelmina als Zirkusdirektorin. Snoop Dogg als Totempfahl. Mit verzerrten Versionen historischer Figuren zeigt Folkert de Jong, wie Geschichte entsteht, anders hätte ausgehen können und sich immer noch verändert. De Jong spielt mit der Geschichte: Er vertauscht die Rollen, lässt zeitgenössische Probleme in der Vergangenheit auftauchen und historische Ereignisse anders verlaufen, als wir es gewohnt sind.

Die Ausstellung „Der Held, der Bösewicht und die Wahrheit“ reist anderthalb Jahre lang durch die Niederlande (einzigartig für eine Ausstellung visueller Kunst), unter anderem entlang der Kunstlinie Almere, der Chassé Breda, der Rotterdam Art Week und des Museum de Fundatie in Zwolle. Entstanden ist sie auf Initiative des des Kurators und Kulturunternehmers Johan Idema in Zusammenarbeit mit Van der Dijk. Folkert de Jong und den Ausstellungsmachern Brandwacht & Meijer.

Eine theatralische Aufführung mit Licht und Geschichte

De Jongs Skulpturen werden in der Ausstellung inszeniert: Anregende Hörgeschichten und theatrale Beleuchtung verleihen den Skulpturen Bedeutung und Interpretation. Autoren und Theatermacher wie Elfie Tromp, Abdelkader Benali, Roziena Salihu und Maxine Palit de Jongh schrieben die Geschichten. Die theatralische Aufführung ermöglicht es dem Publikum, De Jongs Werk tiefer zu verstehen und zu erleben.

Die Ausstellung präsentiert historische Figuren wie Gouverneur Peter Minuit (während er Manhattan „kauft“), Martin Luther (als Terrorist verkleidet), Jesus und Maria (in vertauschten Rollen), Königin Wilhelmina (als Zirkusdirektor), Snoop Dogg (als Totempfahl) und das Zeeland Girl. Zusammen erzählen die Bilder eine Geschichte über die Geschichte der Niederlande – den niederländischen Geschäftsgeist, die Rolle der Religion, die Stellung der Frau etc. – und wie diese Geschichte immer wieder neu geschrieben wurde. Die Ausstellung ist eine einzigartige, kreative und visuelle Geschichtsstunde, die sich als ebenso heiter wie düster erweist. Der Künstler spielt mit der Geschichte: er vertauscht die Rollen, lässt zeitgenössische Probleme in der Vergangenheit auftauchen und historische Ereignisse anders entfalten, als wir es gewohnt sind.

Aktualität der Ausstellung

Die Ausstellung zeigt, wie Folkert De Jong seine Kunst als Waffe einsetzt, um die Geschichte in Frage zu stellen. „Eine unschuldige Waffe, weil man sie nur ansieht. Aber ich möchte zeigen, dass Geschichte nicht nur statisch, sondern auch formbar ist. Rollen können sich im Laufe der Zeit ändern.“ Die Ausstellung zeigt, wie ein anderer Zeitgeist zu einer anderen Geschichte führt. Das macht De Jongs Werk und diese Ausstellung aktuell und relevant, da gesellschaftliche Themen wie Rassismus, Geschlechtsidentität und Kolonialismus die gängige Überlieferung von Geschichte völlig in Frage stellen.

Über Folkert De Jong

Folkert de Jong (*1972 in Alkmar) gilt als einer der bedeutendsten lebenden Künstler der Niederlande. Er studierte an der Amsterdam University of the Arts und der Rijksakademie van beeldende kunsten. Seine Arbeit besteht aus lebensgroßen menschlichen Figuren aus Isolationsmaterial: Polyurethanschaum und Styropor. De Jong wurde mit dem Prix de Rome und dem Charlotte-Köhler-Preis ausgezeichnet und hat in den letzten fünfundzwanzig Jahren mit Dutzenden von Einzelausstellungen in Museen weltweit, von Mailand und New York bis Mexiko-Stadt und Hongkong, internationalen Ruhm erlangt. De Jong wird für seine Virtuosität als Bildhauer und seinen brillanten Ausdruck des menschlichen Wahnsinns gelobt.

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

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