Das Forum Altes Rathaus, kurz „FARB“, bietet Kunst, Kultur, Geschichte und Freizeitvergnügen unter einem Dach.
Noch eine junge Geschichte hat das mitten im historischen Zentrums von Borken gelegene „Forum Altes Rathaus“ (FARB). Nach mehrjährigem Umbau wurde das Gebäudeensemble aus altem Rathaus und der gotischen Heilig Geist-Kirche im Sommer 2020 eröffnet.
Seitdem dient es auf mehreren Ebenen als Ort für Kunst und Kultur, für Geschichte und Tourismus sowie Freizeitvergnügen. Eine ständige Sammlung zur Stadtgeschichte, wechselnde Ausstellungen, vielfältige Kulturveranstaltungen sowie die Tourist-Information Borken im Foyer laden zum Entdecken und Erfahren ein – und das in in einem Gebäude mit besonderem Charakter, das eine bis ins Mittelalter zurückreichende Geschichte hatte und früher als Stadtmuseum diente.
Zur Historie
In Borken begannen vor mehr vor inzwischen mehr als 15 Jahren die ersten Überlegungen, das Stadtmuseum zu reformieren. Hervorgegangen aus den Sammlungs-Aktivitäten des Heimatvereins Borken entwickelte sich das Haus in den 1980-er Jahren zum Museum in städtischer Trägerschaft und wandelte sich in den 2000-er Jahren weiter zum „kulturellen Ort“ mit Konzerten und vielem mehr. Rückgrat des Museums waren von Anfang an das Netzwerk mit den ehrenamtlich Beteiligten und die Partnerschaften mit anderen Akteuren; diese enge Zusammenarbeit ist Teil seiner DNA.
Für die Modernisierung und Neuprofilierung des Stadtmuseums zum „FARB“ galt es daher, sowohl seine Geschichte zu berücksichtigen, seine kooperative Identität zu stärken als auch die unterschiedlichen Zielgruppen und Nutzungsbedürfnisse der zukünftigen Besucher im Blick zu behalten.
Wesentlich für die Umsetzung des Projekts war das Strukturförderprogramm „Regionale 2016 ZukunftsLand“ des Landes Nordrhein-Westfalen, aus dem viele Gelder geflossen sind.
Allen Beteiligten war dabei wichtig, das zum einen das „FARB Forum Altes Rathaus Borken“ die Tradition des Stadtmuseums fortsetzt und das kulturelle und historische Erbe Borkens an zukünftige Generationen weitergibt. Zum anderen hat es sich zu einem beachtlichen Forum und Ausstellungsort gewandelt. So sind im Laufe der Bauphase moderne Technik, zeitgemäße Ausstattung und neues Leben eingezogen. So wurden ein für alle zugänglicher, barrierefreier attraktiver Kulturort und ein neuer Raum für die Begegnung mit Kunst, Geschichte und Touristik geschaffen, die in Form von Ausstellungen, Konzerten und Kulturveranstaltungen sowie Workshops und Projekten die Welt nach Borken holen und Borken mit der Welt verknüpfen. Das „FARB“ regt somit „zum lebendigen Austausch über Stadt und Region an, stiftet Identifikation, ist ein Spiegel für das Leben in Borken und darüber hinaus und nicht zuletzt auch ein Ort des Austausches, der Begegnung und der bewussten Perspektivwechsel“, wie es auf der Internetseite nachzulesen ist.
Stadtgeschichte in neuer Präsentation
Im Gebäude wird auf rund 200 Quadratmetern Stadtgeschichte aus drei Perspektiven erlebbar. Das Stadtmodell zeigt interaktiv und animiert die Stadtentwicklung von den Anfängen bis heute. In der Bibliothek der Erinnerungen berichten Menschen aus Borken ganz persönlich. Der „Speicher“ komplettiert den Dreiklang. Hier sind Objekte präsentiert, deren Geschichten sich im digitalen Museums-Guide erfahren lassen.
Das zweite Modul der Ausstellung ist das neu entstandene interaktive 3D-Stadtmodell. Es bildet Borken im verkleinerten Maßstab ab. Auf einem Ring um das Modell herum zeigen siebzehn kurze, unterhaltsame und informative Animationsfilme ungewöhnliche Episoden aus der Stadtgeschichte.
Dauer- und Sonderausstellungen
In einem weiteren Bereich werden Dauer- und Sonderausstellungen präsentiert.
Beispielhaft dafür stehen Werke der in Borken geborenen Malerin Julia Schily-Koppers (*1855 +1944), die zum Sammlungsbestand des „FARB“ gehören.
Zu Julia Schily-Koppers
Ihr kommt eine Pionierrolle in der Geschichte der Kunst von Frauen zu. Ihr Lebensweg spiegelt den Weg jener mutigen und oft vergessenen Frauen im 19. Jahrhundert wider, die Kunst, Liebe und Leben gleichermaßen für sich in Anspruch nahmen und damit auch für spätere Künstlerinnen den Weg in die erst beginnende Emanzipation ebneten.
Beharrlich erkämpft sie sich als junge Frau den Zugang zu ihrem Beruf, obwohl Frauen ein offizielles Studium an den Kunst- wie auch an anderen Akademien erst ab 1919 möglich war. Bereits in den 1880-er Jahren feiert sie erste Erfolge und zeigt ihre Werke auf zahlreichen Ausstellungen. In Düsseldorf führt sie ein Atelier mit eigenen Schülerinnen. Mit 36 Jahren heiratet sie. Nun stellen mehrere durch den Beruf des Ehemannes bedingte Umzüge und drei Kinder sie vor neue Herausforderungen. Und es bleibt der Wunsch, Beruf und Familie zu vereinen. Sie gibt die Malerei nie völlig auf und widmet sich bis ins hohe Alter vor allem der Porträt- und Genremalerei. Skizzen und Studien auf unterschiedlichsten Materialien zeigen, wie sehr Julia Schily-Koppers an ihrer Kunst festhält und zugleich die Umstände und gesellschaftlichen Konventionen ihr Grenzen auferlegen. Sie erreicht das Lebensalter von 89 Jahren, in denen sie zwei Weltkriege erlebt, und bleibt bis ins hohe Alter malerisch aktiv.
Übrigens: Wem der Name Schily etwas sagt, liegt mit einer eventuellen Vermutung richtig. Zu ihren berühmtesten Enkeln gehört Otto Schily. Er ist vielen noch als RAF-Anwalt und späterer Bundesinnenminister der rot-grünen Koalition unter der Kanzlerschaft von Gerhard Schröder bekannt.
Auch zu sehen: Sommergäste – Die Künstlerkolonie Ahrenshoop
Vom15. Juni bis zum 14. September ist die Sonderausstellung „Sommergäste – Die Künstlerkolonie Ahrenshoop“ zu sehen. Im Fokus steht der von der einzigartige Landschaft von Fischland und Darß geprägte Künstlerort Ahrenshoop, der auf eine mehr als 130-jährige Geschichte zurückblicken kann.
Viele Künstlerinnen und Künstler haben das Dorf und seine Umgebung seither besucht und den Ort durch ihr Wirken verändert. Als Künstlerkolonie war Ahrenshoop um 1890 eine späte Gründung. Auf die Gründergeneration hatte die europäische Freilichtmalerei großen Einfluss. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhundert hat insbesondere die klassische Moderne auch nach Ahrenshoop ausgestrahlt. Während der NS-Diktatur suchten Künstlerinnen und Künstler hier zeitweise Zuflucht und fanden Freiräume. Neue Malgäste kamen nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Künstlerort schon bald in die engen kulturpolitischen Vorstellungen der DDR-Regierung eingebunden wurde. Am staatlichen Erholungsbetrieb vorbei fanden unangepasste Künstler in Ahrenshoop hier gelegentlich sogar ein Refugium. Junge Malerinnen und Maler aus Halle, Berlin, Leipzig und Dresden zog es hierher. Sie alle nahmen das Flair des Ortes auf, bereicherten es mit ihrer Anwesenheit und trugen es in die Gegenwart weiter. Auch heute noch ist Ahrenshoop ein lebendiger Künstlerort mit Museen, Galerien, Werkstätten, fest ansässigen Künstlerinnen und Künstlern sowie wechselnden jungen Stipendiaten.
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Kunstmuseum Ahrenshoop und zeigt zirka 80 Arbeiten (Malerei und Grafik) aus den Anfängen der Künstlerkolonie bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Fokus stehen neben einigen Bildnissen vor allem Landschaften mit Dünen, Wald und der See.
Zum Thema Künstlerkolonie
Künstlerkolonien sind ein bedeutendes kunst- und kulturgeschichtliches Phänomen des 19. und 20. Jahrhunderts in ganz Europa. Sie beginnen um 1830 gleichzeitig in Deutschland und Frankreich und erleben ihre Blütezeit zwischen 1870 und 1910.
Sehnsucht nach Abgeschiedenheit gepaart mit romantischen Vorstellungen von ländlicher Idylle und der Suche nach einem naturnahen Leben in „Freiheit“ locken die Künstler von der Stadt auf das Land. Das Leben war hier billiger und der gemeinsame Aufenthalt förderte den künstlerischen Austausch untereinander. Daher sind in den Künstlerkolonien um 1900 auch viele Künstlerinnen zu finden, denen der Zugang zu den Akademien noch bis 1919 verwehrt war. Wenngleich die Käuferschicht für die in den Kolonien entstandenen Werke in den Städten zu finden war, entstand auch vor Ort nach und nach ein Absatzmarkt.
Grafik auch im Fokus
Auch die Grafik gehört zum Profil der Stadt und des FARB. Unter dem Leitbild „Wir l(i)eben Druckgrafik“ pflegen und fördern Stadt und Kreis Borken die druckgraphische Tradition.
Zu einem lebendigen Austausch lädt schon seit 1988 jedes Jahr am ersten Märzwochenende die Deutsch-Niederländische Grafikbörse ein. Sie widmet sich der künstlerischen Druckgrafik, dem druckgrafischen Original und befördert zugleich den gegenseitigen Kulturaustausch zwischen den Nachbarländern Deutschland und Niederlande – und das Deutsch-Niederländische Grafiknetzwerk hat eine Plattform für den Austausch von Grafik-Enthusiasten geschaffen – grenzüberschreitend und auf Augenhöhe.
Das „FARB“ verfügt sogar über eine eigene Druckwerkstatt als lebendiger Ort, in der das alte Handwerk geschätzt und gelebt wird. Umgeben von historischen Pressen widmet sich das ehrenamtliche FARB-Druckteam der »Schwarzen Kunst« des Druckhandwerks. Hier können Neugierige erfahren, wie Lettern von Hand zu Wörtern zusammengesetzt und die Texte mit Farbe auf Druckmaschinen gedruckt werden. Auch die Kunst der Radierung wird aus nächster Nähe erlebbar. Im Rahmen von Workshops oder anderen Formaten können Interessierte (Angebote auf Anfrage) selbst kreativ werden. Zusätzlich öffnet die FARB-Druckwerkstatt in der Regel jeden dritten Sonntag im Monat ihre Türen. Von 12 bis 16 Uhr kann man den Druckern beim Arbeiten an den Pressen über die Schulter schauen und in lockerer Atmosphäre über das Handwerk ins Gespräch kommen.
Eventlocation im früheren Ratssaal
Ein Saal, der früher zur Kirche gehörte und später als Ratssaal genutzt wurde, ist heute ein Ort, der Kultur und Publikum in besonderer Atmosphäre zusammenbringt. Mit Platz für bis zu 120 Personen besticht er als kleinere Eventlocation in Borken vor allem durch sein intimes Ambiente.
Als Veranstalter bieten wir sowohl Nachwuchskünstlerinnen und Nachwuchskünstlern als auch Kleinkunst-Formaten aller Art eine Bühne. Mit einem Weihnachtskonzert „Swinging Christmas“ wird immer im Dezember zu einem besonderem Jahresabschluss eingeladen.
Zusätzlich beleben vielfältige Kooperationen das Veranstaltungsprogramm des Hauses nachhaltig.
So ist das FARB fester Gastspielort für das Münsterland Festival sowie das internationale Holzbläser Festival „summerwinds münsterland“. Auch die gemeinsame Musikschule für Borken, Heiden, Raesfeld, Reken und Velen bietet regelmäßig Konzerte im Saal an.
Nähere Informationen: Forum Altes Rathaus Borken, Am Markt 15, 46325 Borken, Telefon 02861 939-252, E- Mail info@farb.borken.de. Öffnungszeiten: Dienstag und Mittwoch von 10 bis 17 Uhr, Donnerstag von10 bis 18 Uhr, Freitag und Samstag von 10 bis 17 Uhr, Sonntag von 14 bis 18 Uhr.