Was mit einer Sammlung begann, die in einen kleinen Schrank passte, ist heute ein Museum mit über 90.000 Objekten aus Archäologie, Kunst und Geschichte. Es befindet sich in Assen.
Auf eine schon etwas längere Geschichte kann das Drents-Museum in Assen zurückblicken. Es wurde 1885 gegründet und befindet sich im ehemaligen Amtshaus der Provinz Drenthe. Aufgrund der immer größer werdenden Sammlung musste dann zu Beginn der 2000-er Jahre ein Erweiterungsbau errichtet werden.
Dabei hatte es zu Beginn ganz klein als Provinzmuseum für regionale Antiquitäten angefangen – mit einer Sammlung, die in einen einzigen Schrank passte. 150 Jahre später besteht die Sammlung aus 90.000 Objekten, deren Bandbreite sich von Geschichte über Archäologie bis hin zur Kunst erstreckt.
Nonnen legen Grundstein
Es waren Nonnen des Zisterzienserordens, die vor fast 1000 Jahren den Grundstein für das Drents- Museum legten. Im Jahr 1259 erhielten sie nämlich die Erlaubnis des Bischofs von Utrecht, Heinrich von Flandern (1254 – 1259), an der gleichen Stelle, wo sich heute das Museum befindet, ein neues Kloster zu errichten.
Der Bau des neuen Gebäudes für die Drenther Provinzverwaltung, in dem sich heute das Museum befindet, erfolgte 1888 unter der Federführung des Reichsbaumeisters Jacobus van Lokhorst.
Im Rahmen der Baumaßnahmen für den neuen Ausstellungstrakt, die sich von 2009 bis 2011 erstreckten, wurde ein Gebäude als Ganzes angehoben und vorübergehend an eine andere Stelle gebracht. Nach dem Abschluss der Bauarbeiten kam es wieder auf seinen alten Standort zurück. Dabei wurde das Gebäude auf einen 65 Zentimeter hohen Glassockel gesetzt. Dadurch gelangte Tageslicht in den unterirdischen Ausstellungsraum und außerdem wurde so der Blick ins Innere ermöglicht. Eine Besonderheit: Die frei hängenden Treppen im neuen Anbau sind lediglich oben an der Geschossdecke und unten am Fußboden befestigt. Sie wurden in drei Teilen zum Drents Museum transportiert und an Ort und Stelle zusammengeschweißt.
„ … Erweiterung des Drents Museums unterirdisch realisiert.“
Damit das historische Zentrum von Assen für den Museumsbesucher optimal zur Geltung kommt, wurde die Erweiterung des Gebäudes unterirdisch realisiert. Über dem neuen Trakt wurde ein Garten zum Schlendern und Verweilen angelegt.
Moorleichen, Kunst und manches mehr
Das Drents Museum besticht durch seinen besonderen Mix aus Archäologie, Kunst und Heimatgeschichte. So gibt es eine große Dauerausstellung zur Ur- und Frühgeschichte der Provinz Drenthe. Gezeigt werden unter anderem archäologische Funde aus der Trichterbecherkultur, Moorleichen wie das legendäre Mädchen von Yde und die Männer von Weerdinge sowie mit dem Einbaum von Pesse eines der ältesten Boote der Welt.
Daneben zeigt das Museum wechselnde Sonderausstellungen, oft von internationaler Bedeutung wie „Go China! Assen – Groningen Drenthe“mit dem zentralen Exponat einer Terrakotta-Armee, die über 300.000 Besucher anlockte.
In der kunstgeschichtlichen Abteilung befindet sich zum einen eine der bedeutendsten Sammlungen zur Richtung des nordischen Realismus. Gezeigt werden Werke von Henk Helmantel. Matthijs Röling, Sam Drukker, Douwe Elias, Barend Blankert, Alfred Hafkenscheid, Eddy Roos und Berend Green. Eine weitere Sammlung aus den Jahren 1885 bis 1935 umfasst Werke von Chris Lebeau, Vincent van Gogh, Januar Eisenlöffel, Jan Toorop, Jan Sluijters und Ids Wiersma.
Die Vielfalt der zirka 40.000 Objekte umfassenden kunstgeschichtlichen Sammlung ist enorm, beschränkt sich nicht nur auf die Bildende Kunst, sondern beinhaltet auch Keramik, Textilien, Glas, Gegenstände aus Metall und Möbel. Mit dieser Sammlung widmet sich das Museum der europäischen Kunsthandwerksbewegung, die um 1890 entstand. Sie wollte Schönheit in den Alltag möglichst vieler Menschen bringen. In den Niederlanden wurden diese Ideen vor allem durch die englische „Arts & Crafts-Bewegung“ zum Leben erweckt. Um 1900 kamen aus Frankreich und Belgien die Einflüsse des Jugendstils mit seinen anmutigen Linien; und die holländische Variante dieses Werkes, die „New Art“, besticht durch ein schlankes Design, das die Konstruktion anstelle der Verzierung betont. Die Künstler wollten ihre schönen Designs erschwinglich halten, damit jeder sie kaufen konnte. Ebenfalls sind im Museum Objekte aus der Art Deco-Zeit und aus dem nachfolgenden Funktionalismus zu sehen. Gleichfalls vertreten sind künstlerische Materialien, wie Paletten, Malkästen, Holzklötze, Gipsabgüsse und Skizzenbücher, mit denen der Arbeitsprozess des Künstlers nachverfolgt werden kann.
Darüber hinaus: Seit 2009 zeigt und sammelt das Drents Museum auch Werke von Künstlern der Leipziger Schule, einer Bewegung moderner Maler aus Leipzig. Ihre Schüler bildeten später die Neue Leipziger Schule. Hier finden die Besucher unter anderem Arbeiten von Rosa Loy (1958), Matthias Weischer (1973), Tilo Baumgärtel (1972) und Mirjam Völker (1977). Fast alle diese Künstler studierten an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. An dieser Akademie, genau wie an der Groninger Akademie Minerva, wird viel Wert auf das Handwerk gelegt. Auch in der DDR-Zeit, die von 1949 bis 1990 dauerte, war der Realismus eine populäre Kunstform. Etwas, das an der Akademie in Leipzig nicht vorübergeht und die Entstehung dieser Künstlergenerationen prägt.
Das Drents Museum konzentriert sich auch auf figurative Kunst von außerhalb der europäischen Grenzen. Der jüngste Erwerb des Werks der südafrikanischen Künstlerin Deborah Poynton (1970) ist ein gutes Beispiel dafür. Die 4500 Objekte der Sammlung des zeitgenössischen Realismus wurden dabei größtenteils durch Schenkungen zusammengetragen. So erwarb das Museum im Jahr 2010 die ING-Sammlung mit 271 Meisterwerken der niederländischen figurativen Kunst. Auch wegen dieser Schenkung ist das Drents Museum der Ort in den Niederlanden für zeitgenössische realistische Kunst. In jüngster Zeit wurden dem Museum auch eine Reihe bedeutender Sammlungen der Werke von Matthijs Röling und anderen Künstlern geschenkt.
Für Künstler gibt es das „Studio DM“
Direkt neben dem Museum befindet sich die Künstlerresidenz „Studio DM“, in dem Künstler wohnen und arbeiten dürfen. Das Museum will damit nicht nur ein Ort für Kunst sein, die bereits gemacht wurde, sondern auch für Kunst, die erst noch gemacht werden muss. Das Museum lädt Künstler ein, sich während ihres Schaffenszeitraums von der Region Drenthe oder von der Sammlung des Drents Museums inspirieren zu lassen. Bewerbungen können beim Museum eingereicht werden.
Ergänzt wird das Museum durch die Präsentation der Wohnkultur einer großbürgerlichen Familie aus dem Gründungsjahr des Museums und durch eine Puppensammlung.
Aktuelle Ausstellungen
Noch bis August präsentiert das Museum die Ausstellung „Gen F – 75 Jahre figurative Kunst“. Rund 140 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen von mehr als 75 Künstlern stehen im Fokus. In der Ausstellung werden verschiedene Generationen von Künstlern vorgestellt. In einem speziellen Atelier im „Singelzaal“ werden einige der Künstler während der Ausstellung auch live arbeiten. Noch nie zuvor wurde im Drents Museum eine so umfangreiche Retrospektive der Sammlung figurativer Kunst gezeigt.
Gleichfalls ist die Ausstellung „Reisende in der Drenthe“ zu sehen. In der Ausstellung können die Besucher Reisende aus der Drenthe aus verschiedenen Epochen kennenlernen – vom Hausierer bis zum Saisonarbeiter, aber auch populäre Reisende wie . Die Geschichte der Reisenden ist in drei chronologischen Teile gegliedert: von der Ankunft der ersten Wanderarbeiter, Kipper und Handwerker über die Zeit, in der viel mit der Karawane gereist wurde, bis hin zur Welt der heutigen Reisenden. Auch den Sinti und Roma wird vor allem vor dem Hintergrund ihres tragischen Schicksals während des Zweiten Weltkrieges viel Aufmerksamkeit geschenkt.
Mit der Ausstellung will das Museum deutlich machen, dass unsere Vorfahren nicht immer so sesshaft waren, wie oft gedacht. Im Gegenteil zogen viele Menschen auf der Suche nach Arbeit oder Handel durch die Drenthe. Die Ausstellung befasst sich daher mit der wichtigen Rolle, die die Arbeit und der Wanderhandel in Drenthe seit dem späten Mittelalter gespielt haben.
Ein weiterer Höhepunkt ist „Labyrinthia“, die neue und interaktiv ausgerichtete Sammlungspräsentation des Drents Museums. Dazu schreibt das Museum auf seiner Internetseite: „Gehen Sie auf Mammutjagd, sehen Sie mit den Augen von Vincent van Gogh oder paddeln Sie mit dem Kanu durch eine prähistorische Landschaft. In „Labyrinthia“ kommen Archäologie, Kunst und Geschichte zusammen und alle Sinne werden angeregt. Schlendern Sie durch unseren historischen Gebäudekomplex und erleben Sie die Museumssammlung auf spektakuläre Weise. Hier werden die ikonischen Geschichten von Drenthe auf einzigartige Weise zum Leben erweckt. In den fünfzehn Zimmern gibt es für alle Altersgruppen viel zu erleben. In „Labyrinthia“ können Sie mit den Händen schauen, die Farbe der nordischen Figurativen riechen und Scherben aus der Zeit der Dolmenbauer fühlen. Lernen Sie die Techniken der Mammutjäger, posieren Sie mit dem Schmuck der Prinzessin von Zweeloo oder tanzen Sie auf einer Bauernhochzeit im 19. Jahrhundert. In jedem Raum betrittst du eine völlig andere Welt und bist mitten in der Geschichte. „Labyrinthia“ ist keine traditionelle Ausstellung. Es ist ein Abenteuer, bei dem alle Sinne angeregt werden. Wir machen ausgiebigen Gebrauch von Audio und Video. Es wurden Tools eingebaut, um einen Besuch für alle zugänglich zu machen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Menschen mit einer Seh- oder Hörbehinderung.“
Nähere Informationen: Drents Museum, Brink 1, 9401 HS Assen, Telefon 0592 377773, E-Mail: info@drentsmuseum.nl, Internet: www.drentsmuseum.nl. Geöffnet ist das Museum in der Regelzeit von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr geöffnet.