Viel Kunst in einem Turm

Der 1988 gegründete Kunstverein Greven hat es sich zur Aufgabe gemacht, zeitgenössische Kunst zu fördern und versteht sich als Vermittler zwischen Künstler und Publikum.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Förderung junger Künstler aus der Region an der Schwelle zwischen professioneller Ausbildung und überregionaler Anerkennung. In regelmäßig wechselnden Ausstellungen werden deren Arbeiten – häufig erstmals – einem größeren Publikum vorgestellt.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Ausstellung „Zwischenräume“ des Kunstleistungskurses des Gymnasium Augustinianum. Zu sehen waren Werke, die sich mit den unterschiedlichsten Themen und Epochen auseinandersetzen. Inspiriert von bekannten Künstlern wie Pieter Bruegel, Edvard Munch und Rebecca Horn traf Malerei auf Plastik, Konzeptkunst nahm Gestalt an, und es entstanden Installationen. Doch es ging um mehr als „nur“ um Kunst. Feminismus, Klassenkampf, künstliche Intelligenz, Identität: all das sind große Fragen der Zeit, welche in der Ausstellung im Kunstverein Greven künstlerisch reflektiert und in individuellen Projekten umgesetzt und diskutiert wurden. Die Werke sind vielschichtig, herausfordernd, inspirierend und zeigen, wie weit Kunst wirklich gehen kann. Zusätzlich bereicherten Stop-Motion-Filme zum Thema „Kampf gegen Windmühlen/Gegenwind“ der Kunst-Grundkurse die Ausstellung. Als „Special Guests“ brachten sie weitere spannende Perspektiven ein und öffnen neue Interpretationsspielräume für Möglichkeiten des Umgangs mit Gegenwind.

Besonderes Interesse findet das jährlich stattfindende Sommeratelier. Hier wird das Ausstellungsgebäude – der „Kunstturm“ – Künstlern mehrere Wochen für ihre Tätigkeit zur Verfügung gestellt. Anschließend werden die Arbeitsergebnisse in Rahmen einer Ausstellung präsentiert und lösen häufig intensive und anregende Diskussionen aus.

„Kunstturm“ im Schatten des Kirchturms

Das über drei Etagen reichende Ausstellungsgebäude des Kunstvereins Greven, der schon erwähnte „Kunstturm“, liegt im Schatten des zentralen Kirchturms der katholischen St. Martinus-Gemeinde mitten im fußläufigen Ortszentrum. Es ist vom Verein gemietet und kann mittels eines jährlichen Zuschusses der Stadt Greven und mit der Hilfe von Mitgliedern und privater Sponsoren unterhalten werden.

Kunst am „Kunstturm“

Von den Aktivitäten des Vereins kann man sich aber auch außerhalb der Ausstellungsräumlichkeiten ein Bild machen. Das hat mit dem vom Kunstverein initiierten Projekt „Stadtbesetzung“ zu tun. In Verbindung damit hat die Münsteraner Künstlerin Silke Rehberg zunächst zwei Pferdeskulpturen am „Kunstturm“ installiert.

Es folgten skulpturale Porträts von Menschen in der Innenstadt von Greven. An Fassaden und Häuserecken, die deutlich Sichtachsen betonen, sind fünf Skulpturenpaare montiert – heraus aus dem „Elfenbeinturm der Kunst“, hinein in den Alltag der zufälligen Begegnung. Es sind dabei nur scheinbar beliebige oder zufällige Schöpfungen in Form menschlicher Wesen. Silke Rehberg gestaltet die Porträts von bestimmten Personen nach der unmittelbaren Anschauung oder aus der Erinnerung an eine tatsächliche Begegnung. Das Gleiche gilt für die Pferdeskulpturen am „Kunstturm“. Es handelt sich dabei um zwei Variationen eines Porträts des berühmten Dressur- und Zuchthengstes „Damon Hill“.

Die Gesamtinstallation nennt sich „Egowandel“ und soll den Betrachter dazu herausfordern, die Individualität des einzelnen Lebewesens auf Augenhöhe in den Blick zu nehmen. Die Gleichzeitigkeit von Mensch- und Tierdarstellung lädt dazu ein, sich die zentralen Fragen nach dem Miteinander in dieser einen Welt zu stellen.

Öffnungszeiten: samstags von 11 bis 14 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr.

Nähere Informationen: Kunstverein Greven, Kirchstraße 1a, 48268 Greven, Telefon 02571 98081/98082, E-Mail info@kunstverein-greven.de, Internet http://www.kunstverein-greven.de

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