Bauhauskunst in Bottrop

Dem bedeutenden Bauhauskünstler und gebürtigen Bottroper Josef Albers (*1888 +1976) hat die Stadt im Ruhrpott ein Museum gewidmet, das mehr als einen Besuch lohnt.

Biografisches zu Josef Albers

Der im Jahre 1888 geborene Josef Albers, Maler, Kunsttheoretiker, Kunstpädagoge und eine der führenden Figuren am Bauhaus, wuchs als Sohn des Malermeisters Lorenz Albers und seiner Frau Magdalena im Ruhrpott in Bottrop auf.

Bevor allerdings seine künstlerische Laufbahn begann, ging sein beruflicher Weg von 1902 bis 1905 zunächst zur Präparandenschule Langenhorst, der unteren Stufe der Volksschullehrerausbildung. Danach besuchte er von 1905 bis 1908 das Lehrerseminar in Büren und unterrichtete bis 1913 als Volksschullehrer in Bottrop.

Eine seiner ersten intensiveren Begegnungen mit der Kunst hatte Albers im Jahre 1908, als er zum ersten Mal Werke von Paul Cézanne und Henri Matisse im Folkwang Museum in Hagen sah. Eine weitere künstlerische Prägung erfolgte durch die Begegnung mit dem Werk des niederländischen Künstlers Piet Mondrian. Von ihm inspiriert, malte er 1913 sein erstes abstraktes Bild. Nach dem Studium an der Königlichen Kunstschule in Berlin von 1913 bis 1915 sowie an der Kunstgewerbeschule in Essen von 1916 bis 1919 setzte er von 1919 bis 1920 seine Studien an der Akademie der Bildenden Künste in Berlin und bei dem berühmten Künstler und Kunstprofessor Franz von Stuck an der Kunstakademie in München fort.

Von dort aus wechselte er an das Bauhaus in Weimar. Albers belegte den Vorkurs bei Johannes Itten und besuchte die Glasmalereiwerkstatt. 1923 berief ihn Walter Gropius in das Kollegium des Bauhauses. Hier vertrat er die klassische Bauhausauffassung, nach der die Gesetze jeglicher künstlerischer Tätigkeit gleichermaßen aus der Funktion des Werkstücks wie aus den Gegebenheiten des Materials entwickelt werden müssen. Er erhielt einen Lehrauftrag für den Vorkurs und wurde noch als Geselle Werkmeister in der Glasmalereiwerkstatt. Walter Gropius berief ihn 1925 zum Jungmeister.

Von 1925 bis 1928 leitete er am Bauhaus Dessau gemeinsam mit László Moholy-Nagy den Vorkurs. Nach dessen Weggang 1928 war Albers alleiniger Leiter des Vorkurses und bis 1929 Leiter der Tischlerei-Werkstatt. Am Berliner Bauhaus war Albers von 1932 bis 1933 bis zur Auflösung des Bauhauses Leiter des Vorkurses und Lehrer für Zeichnen und Schrift.
Nach der von der totalitären Nazi-Regierung beschlossenen Schließung des Bauhauses emigrierten Albers und seine Frau, die Bauhaus-Studentin Anneliese Fleischmann, in die Vereinigten Staaten. Hier wurden sie auf Empfehlung des Museum of Modern Art an das Black Mountain College in Ashville, North Carolina, berufen. Albers unterrichtete dort bis 1949 Kunst. Sein Unterricht zog junge Künstler nach Ashville. Zu ihnen zählten beispielsweise so bekannte Namen wie Willem de Kooning, Robert Motherwell und Robert Rauschenberg. Seit 1936 erhielt Albers weltweit zahlreiche Gastprofessuren, unter anderem an der Graduate School of Design an der Harvard University, an der Cincinnati Art Academy in Ohio, an der Yale University in New Haven, an der Architekturschule der Universidad Católica in Santiago de Chile und an der Hochschule für Gestaltung in Ulm (HfG).

Sein künstlerisches Schaffen, das in der Serie „Hommage to the Square“ gipfelte, wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. Albers erhielt unter anderem 1958 den Konrad-von-Soest-Preis des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, 1964 die Medaille des Jahres vom American Institute of Graphic Arts, New York, und 1968 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 1973 wurde er Fellow der American Academy of Art and Sciences, Boston; und insgesamt 14-mal wurde ihm in den Vereinigten Staaten, in Kanada und in Europa die Ehrendoktorwürde verliehen. Darüber hinaus war er 1955 auf der ersten documenta in Kassel vertreten. Eine weitere Ehrung wurde Josef Albers im Metropolitan Museum of Art in New York zuteil, wo für ihn als erstem lebenden Künstler eine Retrospektive ausgerichtet wurde. 1976 starb Josef Albers in Orange, Connecticut.

Zum Werk von Josef Albers

„Ich möchte Augen öffnen“, sagte Josef Albers über das Ziel, das er mit seiner Kunst und seiner Lehre verfolgte. Der Satz war so etwas wie das Motto des Künstlers und späteren Bauhaus-Meisters. Sein künstlerisches Schaffen war trotz seiner Tätigkeit als Werkmeister der Werkstatt für Glasmalerei jedoch nicht nur auf die Glasmalerei beschränkt, sondern umfasste unter anderem auch die Malerei, Graphik und Fotografie, Typographie, das Design und den Möbelbau. Seine Satztische gelten als stilprägende Klassiker der Moderne und sind bis heute nachgefragt. Lehre und künstlerisches Arbeiten waren für Josef Albers untrennbar miteinander verbunden. Er lehrte seine Studenten, Farbe neu zu sehen und diskutierte mit ihnen über das sich immer wieder verändernde Gesicht der Farbe und den Verlust aller Gewissheit: „Nur der Schein trügt nicht“, schrieb er in einer seiner vielen Veröffentlichungen. Farben seien keine absoluten Werte, erklärte er, ihre Wirkung hänge in erster Linie davon ab, in welchen Formen und Formkombinationen sie auftreten.

Was Josef Albers damit meinte, wird vor allem in den Werken deutlich, die er in der Nachkriegszeit geschaffen hat. Aus der systematischen Beschäftigung mit Linie, Raum, Fläche und Farbe begann er nach der Emigration 1933 in die USA mit seiner Serie quadratischer Farbräume, die er „Homage to the Square“, „Hommage an das Quadrat“, nannte. Heute wird man kaum eine Ausstellung zur Abstraktion der Nachkriegszeit finden, in der Albers bahnbrechende Serie nicht präsent wäre. Albers Werk zeichnet sich vor allem durch seine intensive Beschäftigung mit Farbe aus. Ausgehend von der Farbtheorie des Bauhauses erforschte er systematisch die Wechselwirkungen zwischen Farbflächen und deren Wahrnehmung durch den Betrachter. Sein Hauptwerk „Interaction of Color“ von 1963 gilt bis heute als Meilenstein der modernen Farbenlehre.

In der schon angesprochenen Serie „Hommage an das Quadrat“ setzte Albers diese Erkenntnisse in eindrucksvoller Weise um. Die Bilder bestehen aus mehreren, ineinander geschachtelten Farbquadraten, deren Zusammenspiel die visuelle Wahrnehmung des Betrachters herausfordert. Durch den Einsatz ungemischter, scharfkantiger Farben erzeugte Albers subtile Effekte der Farbmodulation und -irritation. Neben dieser Farbforschung zeichnete sich Albers Werk auch durch eine klare, geometrische Formensprache aus. Seine Glasfenster-Entwürfe für das Bauhaus sowie seine Möbelentwürfe zeugen von einer ausgeprägten Affinität zu reduzierter Ästhetik und funktionaler Formgebung.

Museumszentrum „Quadrat“

Am 4. September 1976 wurde in Bottrop am Rande des Stadtgartens das Museumszentrum „Quadrat“ eröffnet. Der Name nimmt Bezug auf das Werk von Josef Albers, der 1970 die Ehrenbürgerschaft seiner Geburtsstadt erhielt. Josef Albers schenkte der Stadt Bottrop im Rahmen dieser Ehrung sechs Bilder und einige Grafiken. Diese Schenkung war dann für die Stadt Bottrop zunächst der Anstoß für die Planung eines Erweiterungsbaus an das schon bestehende Heimatmuseum durch den Stadtarchitekten Bernhard Küppers.

Nach dem Tod von Josef Albers vermachte seine Witwe Anni Albers der Stadt im Rahmen einer großzügigen Schenkung weitere Kunstwerke ihres Mannes, verbunden mit dem Wunsch, sein Schaffen in Bottrop permanent sichtbar zu machen. Daraufhin wurde ein weiterer Gebäudeteil geplant und 1983 eröffnet. Auch dieser griff in seiner baulichen Form das Quadrat als wesentliches Element der Gestaltung auf. Der Grundriss der Ausstellungsfläche ist aus einem Quadrat von 28 x 28 Meter Seitenlänge entwickelt worden, in den ein kleineres Quadrat mit den Maßen 14 x 14 Meter eingestellt ist. Vier lichte Bauten aus Glas und Stahl fügen sich zu einer Einheit, die klare, sachliche Form des Gebäudeensembles bildet in der naturnahen Parklandschaft einen faszinierenden Blickfang.

Am 19. Oktober 2022 wurde aufgrund der großen Publikumsresonanz ein Erweiterungsbau für Wechselausstellungen eröffnet. Das Schweizer Architekturbüro Gigon/Guyer hat dafür einen zweigeschossigen Neubau konzipiert, der neben 700 Quadratmetern Ausstellungsfläche zwei großzügige Werkräume für die Programme der Bildung und Vermittlung beinhaltet. Das gesamte Ensemble fügt sich auch nach der Erweiterung harmonisch in den Park mit beeindruckend altem Baumbestand und signifikanten Skulpturen internationaler Künstler ein.

Das gezeigte Werk von Josef Albers ist sehr vielfältig. Nach einigen weiteren Ankäufen und Schenkungen in den vergangenen Jahrzehnten umfasst die Bottroper Albers-Sammlung heute rund 350 Werke und ist damit die weltweit größte öffentliche Sammlung von Werken des Künstlers. Von Gemälden, Glasarbeiten, Fotomontagen, Resopalgravuren hin zu Druckgrafiken und Zeichnungen ist das künstlerische Lebenswerk von Albers umfassend erfahrbar. Im Bestand sind frühe Arbeiten, darunter Selbstporträts, Ansichten Bottrops und des Münsterlands. Aus seiner Zeit am Bauhaus zeigt das Museum unter anderem Glasarbeiten und Fotomontagen. In den USA, wo Anni und Josef Albers nach der Flucht vor der Nazi-Diktatur seit 1933 lebten, entstand seine umfangreichste künstlerische Arbeit. Aus dieser Zeit sind in Bottrop herausragende Werke zu sehen, wie etwa die „Variants“, als deren Vorbilder mexikanische Lehmziegelhäuser gelten dürfen. Einen Höhepunkt in Josef Albers künstlerischer Entwicklung stellt seine schon angesprochene Werkreihe „Homage to the Square“ dar. Von diesem Typus quadratischer Bilder hat er bis zu seinem Tod weit über 2000 Gemälde erschaffen, von denen eine große Anzahl in Bottrop ausgestellt ist.

Kurzum: Das Josef Albers-Museum bewahrt die weltweit umfangreichste öffentliche Josef Albers-Sammlung und erforscht, dokumentiert, kontextualisiert und vermittelt in Ausstellungen und Publikationen dessen Oeuvre. Neben diesem Schwerpunkt zeigt das Museum in Einzel- und Gruppenausstellungen Werke internationaler Künstlerinnen und Künstler und beherbergt eine Sammlung mit Arbeiten von unter anderem Ulrich Erben, Günter Fruhtrunk, Bernhard Fuchs, Sabine Funke, Raimund Girke, Hubert Kiecol, Aurélie Nemours, Simone Nieweg, Bridget Riley und Rosemarie Trockel.

Nähere Informationen: Museumszentrum Quadrat, Anni-Albers-Platz 1, 46236 Bottrop, Telefon: 02041 372030, Fax: 02041 3720344, E-Mail-Adresse: quadrat@bottrop.de

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