Zur Ausstellung „Auf dem Weg nach Bentheim – Reisen mit Ruisdael“:

Nicht zum ersten Mal führte mich der Weg zum Rijksmuseum Twenthe am Lasondersingel 129 in Enschede. Viele großartige Ausstellungen waren dort schon zu sehen.

In diesem Jahr war es eine Ausstellung mit regionalem Bezug, die mich interessierte: „Unterwegs nach Bentheim“. Zu sehen waren Werke der Maler Jacob van Ruisdael, Meindert Hobbema und Anthony van Waterloo. Sie reisten über die Twente in die benachbarte Grafschaft Bentheim und verewigten die Landschaft, die sie unterwegs vorfanden.

Wie in der Ausstellung zu erfahren war, waren die Wege, die die drei Künstler auf sich nahmen, oft mühsam. Wegelagerer waren ein bekanntes Problem und die Straßen waren schlammig und schlecht, die Gasthäuser unbequem und auch ansonsten von eher mäßiger Qualität. Trotzdem ließen sich Ruisdael, Hobbema, van Waterloo und später noch manche mehr nicht von der Reise abhalten.

Eine Inspirationsquelle für solche künstlerischen Reisen war der Haarlemer Maler und Kunsttheoretiker Karel van Mander, der im Jahre 1604 junge Kunstschaffende dazu aufforderte, die Stadt zu verlassen und die Landschaft in den Blick zu nehmen. Vor Ort sollten dann Zeichnungen angefertigt werden, die später im Atelier zu Gemälden weiterentwickelt werden sollten.

Wie vielleicht manchem kunstbeflissenen Grafschafter bekannt sein sollte, hat der 1628 in Haarlem bei Amsterdam geborene Jacob van Ruisdael – in künstlerischen Fachkreisen als „Rembrandt der Landschaften“ bezeichnet – mehrmals die Burg Bentheim gemalt.

Große Faszination muss auf ihn damals die Lage der Burg auf einem hohen Felsen gemacht haben, waren doch die Burgen in seiner Heimat auf ebenem Land gebaut.

Von Jacob van Ruisdael gibt es heute noch 26 Bilder mit dem Schloß und der Bentheimer Landschaft. Eines dieser Bilder, das Gemälde „Burg Bentheim“, kam im Juli 1998 überraschend auf den internationalen Kunstmarkt, und der Landkreis Grafschaft Bentheim ließ sich die Chance nicht nehmen, dieses Bild über die Niedersächsische Sparkassenstiftung als Dauerleihgabe in die Grafschaft zu holen.

Auf dem Gemälde wird auf der linken Seite das Schloß Bad Bentheim dargestellt. Auf dem Weg vom Schloß kommt auf halber Höhe ein Mann herab. In der Mitte vorn, unterhalb eines am Abhang freistehenden Baumes, sieht man eine junge Frau mit einem Korb auf dem Kopf und einem Jungen an der Hand. Die rechte Hälfte des Bildes stellt einen Ausblick in die Landschaft dar, der nur im Vordergrund durch einen Baumstumpf unterbrochen wird.

Dieses Bild ist mit einer Größe von 42 x 57 Zentimetern eines der kleineren Gemälde, hebt sich aber von den anderen dadurch ab, dass bei denen der Vordergrund und die Staffage stark herausgehoben sind und das Schloss etwas im Hintergrund erscheint, während es bei diesem Gemälde voll im Blickpunkt steht.

Das Gemälde, auf dem sich über dem dunklen Schlosshügel eine helle Wolkenformation auftürmt,zeigt die Burg daher in einer kontrastreichen Stimmung.

Zurück zur Ausstellung im Rijksmuseum Twenthe: Wie schon angedeutet war die hügelige Landschaft der Twente und der benachbarten Grafschaft Bentheim bereits im 17. und 18. Jahrhundert eine Quelle der Inspiration für Maler wie Jacob van Ruisdael, Meindert Hobbema und Anthonie Waterloo.

Die Künstler waren fasziniert von den Fachwerkhäusern, Wassermühlen, Schlössern und Landgütern, die sie unterwegs antrafen und die immer noch in der Region anzutreffen sind wie beispielsweise das Schloss Singraven bei Denekamp.

Anfang des 18. Jahrhunderts reisten die Künstler Cornelis Pronk und Abraham de Haen zusammen mit dem Tuchhändler Andries Schomaker durch die Hafengebiete der Twente. Dabei fertigte Abraham de Haen nicht nur Zeichnungen an, sondern machte sich auch Notizen zu den Gütern, die er mit seinen Reisegefährten besuchte. So notierte er, welche Adelshäuser von wem vor Ort gezeichnet wurden. Diese Zeichnungen zeigen noch heute existierende Landhäuser und Herrenhäuser und wurden ebenfalls in dem von Andries Schoemaker erstellten Verzeichnis aufgenommen. Bei den Werken von Pronk und De Haen handelt es sich um einzigartige Dokumente, die die Region Twente im 18. Jahrhundert in äußerst treffender Weise zum Ausdruck bringen.

Nähere Informationen: http://www.rijksmuseumtwenthe.nl

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