Kunstbetrachtungen, Teil 9

Kunst muss erfahren werdenAls unbefriedigend bewertet der Autor Georg W. Bertram die Institutionentheorie, die Kunst nur in Verbindung mit Museen und Fachleuten wie Kunstkritikern wahrnimmt.

Wie im Teil 8 der Kunstbetrachtungen schon angesprochen, wendet sich der Verfasser von „Kunst – Eine philosophische Betrachtung“ einem schon angesprochenen Aspekt zu: Der Erfahrung, die mit Kunstwerken gemacht oder nicht gemacht wird, eine ästhetische Praxis, die einen etwas angeht oder nicht.

Musik in der Einkaufspassage

Georg W. Bertram stellt sich die Frage „Welchen Wert hat die Kunst für uns?“ und greift beispielhaft anhand des Hörens von Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ die Bedeutung des subjektiven Empfindens auf. Es geht um die Frage, was einem diese Musik sagt, auch in einer Situation, in der eigentlich gar nicht bewusst Musik gehört wird, wie zum Beispiel in einer Einkaufspassage mit musikalischer Beschallung, die womöglich zum Konsum anregen soll, also einem anderen Zweck dient als dem des musikalischen Genusses. So kann aber aus einer alltäglichen Konsumsituation eine ästhetische Erfahrung werden, wenn einen die Musik in der Weise anspricht, dass sie als ästhetisch empfunden wird.

Was ist aber mit Musik, die eher Abneigung hervorruft oder Abneigung hervorgerufen hat wie die schon erwähnten Beispiele aus der Zwölftonmusik oder Strawinskis „Sacre du printemps“? Wie sagt Bertram so treffend: „Nicht jede Musik eignet sich für ein ästhetisches Hören.“ Das gilt womöglich auch für andere Künste wie die Malerei oder Bildhauerei.

Das Kunstwerk involviert mich in ein ästhetisches Geschehen.“

Georg W. Bertram, Philosoph und Autor

Worum geht es dann beim Kunstgenuss? Bertram spricht von der Erfahrung, die mit einem der Kunst zugerechneten Werke gemacht wird: „Wenn eine Musik mit einem Mal zu mir spricht, heißt das nicht, dass ich einfach meine Einstellung verändert habe. Es heißt vielmehr, dass ich eine Erfahrung mache. Das Kunstwerk involviert mich in ein ästhetisches Geschehen.“

Der Autor von „Kunst – Eine philosophische Betrachtung“ kommt zu folgendem Schluss: „Kunst lässt sich nur mit Blick auf Situationen begreifen, in denen Rezipienten (Betrachter) durch Kunstwerke angesprochen werden.“ Er macht deutlich, dass ohne Betrachter und dessen Erfahrungen nicht sinnvoll von Kunst gesprochen werden kann.

Wenn von Kunst die Rede ist, darf ein Verweis auf den Philosophen Immanuel Kant und das von ihm stammende Postulat des „interesselosen Wohlgefallens“ (aus seiner Schrift „Kritik der Urteilskraft“), das von einem Kunstwerk ausgehen soll, nicht fehlen. Bertram bestätigt das, in dem er sagt, „dass die ästhetische Erfahrung selbstzweckhaft ist. Wer ästhetische Erfahrungen macht, will damit nichts sonst in der Welt erreichen.“ Ergänzend fügt er hinzu, „dass die ästhetische Erfahrung kein Ziel hat, das über sie hinausgeht.“

Eine Frage bleibt aber ungeklärt: Das Bemessen des Wertes in Verbindung mit einem Kunstwerk.

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