Je weiter sich Kunst und Betrachter auseinanderentwickeln, desto schwieriger wird ein Erklärungsversuch. Aber er ist es wert.
Erheblichen Ärger verursachte gleichfalls das Kunstwerk „One step, two step“ von Richard Deacon. Zwei auf geologische Formen der Stadt Nordhorn bezogene und fest verankert geglaubte Flächen aus Stahl auf der Vechte, die von Enten als Brutplatz genutzt wurden, lösten sich irgendwann aus ihrer Verankerung und waren nicht mehr gesehen. Erheblicher Schaden war entstanden, der nicht behoben wurde. Dem Volksmund sind sie als Entenklos in Erinnerung geblieben, weil sie auf den Stahlflächen auch ihre körperlichen Ausscheidungen hinterließen. Ein Witzbold erlaubte sich dann auch noch den Scherz, auf einer der Flächen ein Klo aufzustellen. Ein weiteres Missverständnis gegenüber der Kunst war entstanden und ist bis heute nicht geklärt.
Ist eine Ankerkette Kunst?
Nicht weniger umstritten waren später einige Kunstwerke im Rahmen der Projekte „kunstwegen“ und „raumsichten“. Als beispielsweise von einer Jury für den Standort Spöllberg bei Uelsen das Werk „tumulus“ des italienischen Künstlers Luciano Fabro, einem Vertreter der arte povera, ausgewählt wurde, bestehend aus einer 270 Meter langen Ankerkette, war das Rumoren in der dortigen Bevölkerung groß. Vor allem als bekannt wurde, dass sich das Kunstwerk infolge seiner allmählichen Verrostung auflösen und eins mit der Erde wird.
Ein weiteres Werk, das es sogar ins Fernsehen schaffte – allerdings nur als Ulk in die NDR-Satiresendung „Extra drei, war das Objekt „Laßnitz“ von Hans Schabus. Eine ausrangierte, aber intakte Brücke in gutem Zustand wurde in die Grafschaft Bentheim, genauer gesagt bei Ohne in unmittelbarer Nähe zu einem Hofcafé, transportiert und ohne Verkehrsanschluss über die Vechte gelegt.
„… zur eventuell möglichen Beantwortung der Frage, was Kunst eigentlich ist.“
Hans Schabus erklärte die Brücke zu einem Kunstwerk. Er stellte sie frei und streifte ihren ursprünglichen Standort ebenso ab wie das Verkehrsnetz, an dem sie hing. An ihrem neuen Standort steht die Brücke einfach nur da. Sie ist ohne verkehrstechnische Funktion und dennoch verbindet sie an dieser Stelle zwei Bundesländer miteinander. Der eine Brückenfuß steht in Niedersachsen, der andere in Nordrhein-Westfalen. Die Landesgrenze trennt und verbindet quer durch die Vechte genauso wie das Kunstwerk, das beide einerseits überwindet, aber andererseits für die Besucher nicht begehbar ist. Das erschloss sich nicht jedem.
Noch relativ aktuell und äußerst skrril ist der Umgang der Umwelt-Aktivisten der sogenannten „Letzten Generation“ mit der Kunst. Das Ankleben an und das Bewerfen von Kunstwerken mit Lebensmitteln diente ihnen als Mittel, um Aufmerksamkeit auf ihr geäußertes Anliegen, nicht weniger als die Rettung der Welt, zu lenken.
Fachlektüre lohnt
Was allerdings der Schutz der Umwelt mit beschmierten Kunstwerken zu tun hat, erschließt sich – wenn überhaupt – nur den etwas sehr verpeilt wirkenden Umweltaktivisten, die den Adressaten ihrer Botschaft nicht zu kennen scheinen und führt zu der wesentlichen Frage über das Wesen der Kunst und zur eventuell möglichen Frage, was Kunst eigentlich überhaupt ist. Zu diesem Zweck lohnt die Lektüre einschlägiger Fachliteratur.