Auch die Zeit nach 1945 ist von Problemen im Umgang mit zeitgenössischer Kunst geprägt,
Auf die Zerstörung moderner Kunst vor allem der 1920-er und 1930-er Jahre folgt 1945 nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit seinen Verheerungen und schrecklichen Folgen eine weitere schwierige Phase im Umgang mit der Kunst, eine Zeit des noch mehr zunehmenden Un- und Missverständnisses, die sich bis heute fortsetzt und gleichfalls zu Attacken gegenüber der Kunst und Künstlern geführt hat, nur in geringerer Zahl und mit erheblich weniger Gewalt als in den 1930-er und 1940-er Jahren.
Als Beispiel ist die Künstlerbewegung „CoBrA“ zu nennen. Stilelemente der Volkskunst sowie kindlich-naive Malerei verbanden sich bei den Mitgliedern mit abstrakten und figurativen Farb- und Formgebungen. Die Künstler verband eine Kunstauffassung, die sich gegen bürgerliche und akademische Vorstellungen wandte.
Attacken auf die Kunst
Ihre Bilder sollten spontan entstehen und die Abkehr von jeglicher überlieferter Vorstellung von Ästhetik vermitteln. Viele Motive wirkten für Außenstehende wie unbeholfene Kinderzeichnungen. Sie erschlossen sich den meisten nicht. 1949 kam es bei der Enthüllung eines Wandgemäldes in der Kantine des Amsterdamer Stadthauses zu so starken Protesten in der Bevölkerung, dass das Kunstwerk erst 10 Jahre später der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht wurde. Auch die Ausgabe einer Zeitschrift und die Eröffnung einer Ausstellung in Lüttich führten zu Kritik und Tumulten.
Nicht weniger konfliktreich war es in den Folgejahren. Eines der prominentesten Beispiele: Joseph Beuys, der Aktionskünstler, Bildhauer, Medailleur, Zeichner, Kunsttheoretiker und Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Er gehört ohne Zweifel zu den bekanntesten, aber auch umstrittensten Künstlern des 20. Jahrhunderts, und das nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene.
Filz und Fett
Aktionen wie „Joseph Beuys erklärt dem toten Kaninchen die Kunst“, das kurzzeitige Zusammenleben mit einem Kojoten bei einer Kunstaktion in den USA oder die von ihm gefertigten Objekte aus Filz und Fett, angeblich basierend auf seinen Erlebnissen als abgeschossener Pilot im Zweiten Weltkrieg, stießen auf viel Widerspruch und im Extremfall zur Entsorgung durch Hausmeister oder Putzfrau, die sie nicht als Kunstwerke, sondern als Schrott oder Müll betrachtet wurden. Die dafür verlangten Schadensersatzforderungen, die zum Teil sechsstellig waren, riefen dann noch mehr Empörung bei der Bevölkerung hervor.
Auch vor ort führte die Kunst zu Missverständnissen und Konflikten. Erinnert sei in diesem Zusaammenhang an die aus Standardwerkstücken des Materials Edelstahl bestehende Erich Hauser-Plastik „Doppelsäule I / 70“ vor dem Rathaus der Stadt Nordhorn. Als es um die Gestaltung, den Ankauf und den damit verbundenen Preis ging, schlugen die Wellen hoch. Erst mit der finanziellen Unterstützung durch den Förderverein der Städtischen Galerie Nordhorn konnte der Ankauf getätigt werden.