Es müssen nicht immer die wilden 1920er Jahre sein, um einen spannenden Krimi mit politischem und geschichtlichen Hintergrund zu schreiben.
Bonn in den 1950er Jahren – einerseits ein beschauliches Städtchen mit idyllischer Lage am Mittelrhein, andererseits Sitz der Bundesregierung und des Bundestages in einer äußerst angespannten Zeit. Der West-Ost-Konflikt zwischen den USA und der Sowjetunion verschärft sich nach dem gemeinsamen Sieg über Nazi-Deutschland im Jahre 1945.

Bonn wird dadurch zum Austragungsort von Spionage und Gegenspionage der beiden Supermächte: aber auch andere Konflikte werden ausgefochten, unter anderem von unbelehrbaren Vertretern der überwunden geglaubten Nazi-Ideologie, die immer noch ihren Einfluss geltend machen oder geltend zu machen versuchen.
Vor diesem Hintergrund des sogenannten Kalten Krieges spielt der äußerst empfehlenswerte Thriller „Die Akte Adenauer“ von Ralf Langroth, hinter dessen Pseudonym sich der inzwischen in Hameln wohnende Schriftsteller Jörg Kastner verbirgt. Unter diesem Namen ist er in anderen Genres wie Fantasy, Mystery und historischen Romanen tätig.
„Die Akte Adenauer“ bildet den Auftakt einer neuen und vielversprechenden Reihe, die von den politischen Geschehnissen in der noch jungen Bundesrepublik Deutschland inspiriert ist.
Hauptfigur ist BKA-Kommissar Philipp Gerber. Er musste wegen seiner Gegnerschaft zum Nazi-Regime 1939 mit seiner Familie Deutschland verlassen und emigrierte Richtung USA. Dort arbeitete Gerber für den US-amerikanischen Geheimdienst CIC, der im Bereich Spionageabwehr tätig war.
Im vom Bundestagswahlkampf geprägten Jahr 1953 wird Gerber nach seiner Rückkehr in die Heimat Kommissar beim Bundeskriminalamt. Sein erster Fall: der mysteriöse Mord an seinem Vorgänger, der neben seiner Tätigkeit bei der deutschen Polizei ebenfalls für den US-amerikanischen Geheimdienst CIC gearbeitet hat. Allerdings nicht offiziell, sondern undercover.
Gemeinsam mit der Journalistin Eva Herden kommt Gerber dem Treiben der rechts gerichteten „Wölfe Deutschland“ auf die Spur. Wer unterstützt die Organisation und damit den Plan, einen führenden Politiker der SPD zu töten? Und dann kommt Bundeskanzler Konrad Adenauer von der CDU ins Spiel, der Gerber persönlich mit der Aufgabe betreut, den politischen Kontrahenten von der SPD zu beschützen. Berger und Adenauer kennen sich noch durch eine Begegnung in Adenauers Heimatort Rhöndorf im Jahre 1945 kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges.
Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden.
Ralf Langroth, Die Akte Adenauer, Rowohlt Verlag, ISBN 978-3-499-00475-9