Eine Zeitreise durch die Kunstgeschichte im Museum Groningen

In der neuen Sammlungspräsentation „It’s About Time“, die noch bis zum 10. Mai 2026 im Museum Groningen zu sehen ist, werden die Grenzen linearer Zeit durchbrochen. Normalerweise stellen wir uns Zeit und Geschichte als gerade Linie vor, aber was passiert, wenn wir kreuz und quer hindurchgehen? Oder in Kreisen? Sieben Säle voller Kunstwerke aus der eigenen Sammlung laden zu einer persönlichen Entdeckungsreise durch die verschiedenen Gesichter der Zeit ein.

Verschiedene Kuratoren des Groninger Museums haben die Freiheit erhalten, als Zeitreisende durch die Sammlung zu wandeln und ihre eigene Geschichte zu erzählen. Jeder Saal beleuchtet so die einzigartige Sammlung aus einer persönlichen Perspektive, wobei Themen wie Natur, Machtlosigkeit und Vergänglichkeit den Ton angeben – sowohl bei jahrhundertealten als auch bei zeitgenössische Kunstwerken.

„It’s About Time“kommt zu einem besonderen Moment: einer Übergangszeit, in der sich das Groninger Museum auf einen neuen künstlerischen Kurs unter der Leitung von Kunstdirektorin Roos Gortzak vorbereitet. Sie hat gemeinsam mit den Kuratoren hier und da Akzente verschoben und einen zusätzlichen Saal mit Werken von David Lamelas (siehe unten) und Bas Jan Ader (siehe anderen Artikel auf dieser Seite) hinzugefügt – Künstler, deren Werk perfekt sowohl zum Zeitkonzept als auch zur Museumssammlung passt.

Zeit gemeinsam erleben

Gemeinsam können die Besucherinnen und Besucher an David Lamelas‘ Performance „Time“ aus dem Jahr 1970 teilnehmen. Anhand der Anweisungen des Künstlers Lamelas erfahren sie, dass Zeit mehr ist als eine Uhr oder ein Kalender: Es ist etwas, was wir gemeinsam erleben, weitergeben und gestalten. „Was auch immer unser kultureller Hintergrund, unsere Hautfarbe, unser Geschlecht, unsere Religion oder andere Merkmale sein mögen, wir teilen die Gegenwart. In Zeiten zunehmender Polarisierung ist eine solche verbindende Erfahrung dringend nötig“, heißt es dazu vonseiten des Museums.

Zu David Lamela

David Lamelas(* 1946 in Buenos Aires, Argentinien) ist ein argentinischer Bildhauer, Konzeptkünstler, Fotograf und experimenteller Filmemacher. Er gilt als einer der Pioniere der Konzeptkunst der 1960-er und 1970-er Jahre.

Leben und Werk

David Lamelas absolvierte in Argentinien eine Ausbildung als Bildhauer. Im Jahr 1968 erreichte er internationale Bekanntheit, als er Argentinien auf der Biennale von Venedig mit dem Werk „Office of Information about the Vietnam War on Three Levels: The Visual Image, Text and Audio“ vertrat. Über Antwerpen zog es Lamelas nach London. Er studierte dort, mit einem Stipendium für Skulptur ausgestattet, an der St. Martins School of Art. Er begann dort auch mit Fotografien und Textmaterial zu arbeiten, um für sich den Begriff der Skulptur auszuweiten. Gleichzeitig begann er Filme zu drehen. Das Hauptinteresse seines künstlerischen Schaffens wurde die Beschäftigung mit Zeit, Raum und Sprache. In den 1970-er Jahren lebte und arbeitete David Lamelas abwechselnd in Europa und Amerika.

David Lamelas wurde zu einem der Pioniere der Konzeptkunst der 1960-er und 1970-er Jahre. Er produzierte ein umfassendes Werk von Filmen und Videos. Er arbeitete häufig ohne Schnitte und Montage, um eine fortlaufende, erzählerische und ungeschnittene Dokumentation im Film zu erzeugen.

Im Jahr 1969 begann er eine experimentelle Filmreihe in Düsseldorf zu drehen. Bei dieser Filmreihe „Time as Acitivity“ filmte er an drei verschiedenen Orten in der Stadt das Alltagsgeschehen mit einer fixierten Kamera. Die Filme überließen gänzlich dem Zuschauer, was dieser mit dem gefilmten assoziierte. Das Filmprojekt führte Lamelas über mehr als vier Jahrzehnte fort, mit weiteren Drehorten neben Düsseldorf in Berlin, Los Angeles, Warschau und New York City.

Im Jahr 1972 war er mit dem 16-mm-Film „Cumulative Script“ Teilnehmer der „documenta 5“ in in Kassel in der Abteilung Individuelle Mythologien: Film.

David Lamelas Kunst beschäftigt sich mit dem Umgang mit Zeit und Raum. In seinen Projekten, die aus Filmen, Fotografien, Installationen und „Interventionen“ bestehen beschäftigt er sich mit der Frage nach den Grenzen der Zeitlichkeit von Kunst und ihren Möglichkeiten zur Erzeugung alternativer Kommunikations- und Erkenntnisprozesse. Er nimmt seit Ende der 1960-er Jahre an bedeutenden Ausstellungen und Projekten als Einzelkünstler oder an Gruppenausstellungen weltweit teil. 2017 nahm er an der „documenta 14“ teil.

Lamelas lebt und arbeitet in Buenos Aires, Paris und New York City.

Nähere Informationen: Groninger Museum, Museumeiland 1, 9711 ME Groningen, Niederlande, Telefon +31 503666555, E-Mail: info@groningermuseum.nl. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

„Grand Stairwell Installation“ dauerhaft im Museum Groningen

Die „Grand Stairwell Installation“ des US-amerikanischen Künstlers Dave Chiuly umfasst 70 rote, gelbe und orangefarbene Glasformen, so genannte „Persians“. Sie bedecken die drei zwölf Meter hohen Wände des Treppenhauses im Museum Groningen. Die Installation ist auf allen Etagen und von der Treppe aus zu sehen. Viele Besucherinnen und Besucher wünschten sich schon während der Chihuly-Ausstellung 2018/19, dass das Kunstwerk im Museum bleiben sollte. Das Groninger Museum ist hocherfreut, genügend Unterstützung vonseiten mehrerer Sponsoren gefunden zu haben, um diesen Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen.

Zur Geschichte der Zusammenarbeit

Im Winter 2018/19 zeigte das Groninger Museum Dale Chihulys bis dato größte Einzelschau in Europa. Von der überregionalen Tageszeitung NRC als „mutig“ betitelt, hatte die Ausstellung ungeahnten Erfolg und zog 156.000 begeisterte Besucher an. Eines der Highlights war die große Installation, die Chihuly für das Treppenhaus entwarf.

Zur Installation von Dale Chiuly im Museum

Chihuly ist sich der Kraft der Architektur bewusst und er weiß, wie jede Linie, jeder Farbton, jede Form und jeder Raum für den Gesamteindruck einer Installation eine Rolle spielt. Niemals zuvor wurde das Treppenhaus des Museums so überzeugend ausgefüllt. Das Groninger Museum nennt viele technisch anspruchsvolle, raumgreifende Werke sein Eigen, in denen Künstler die Grenzen ihres Berufes vollends ausloten. Die „Grand Stairwell Installation“ reiht sich in diese Tradition ein und wird permanent zu sehen sein. Sie fügt sich bestens in die Neon-Installation von François Morellet in der Eingangshalle und die Einrichtungen von Studio Job, Jaime Hayon und Maarten Baas.

Persians

Wie viele seiner Arbeiten sind Chihulys „Persians“ das Ergebnis seiner künstlerischen Erkundung von Form und Farbe. Während das asymmetrische Aussehen der einzelnen Objekte an Urformen erinnert, verschmelzen sie zu einem geheimnisvoll-verzaubernden Ganzen. Man findet die „Persians“ in vielen seiner spektakulären Kompositionen. Zunächst wurden sie auf Sockeln präsentiert, haben sich aber später zu großen Installationen an Decken und Wänden weiterentwickelt und wurden zu „Chandeliers“ und „Towers“ zusammengefügt.

Zu Dave Chiuly

Der US-amerikanische Künstler Dale Chihuly revolutionierte die Studioglaskunst und hob sie auf ein neues Level. Weltweit wird er für seine Installationen gerühmt, die in historischen Stadtensembles, Museen und Gärten zu bewundern sind. Chihuly arbeitet mit unterschiedlichen Materialien, darunter Glas, Farbe, Holzkohle, Neon, Eis und Polyvitro, um seine kreativen Visionen zu verwirklichen. Chihulys Werke befinden sich in über 200 Museumssammlungen weltweit, unter anderem dem Metropolitan Museum of Art, dem Smithsonian American Art Museum und dem Corning Museum of Glass. Zu seinen wegweisenden Ausstellungen gehören „Chihuly Over Venice (1995-96)“ und „Chihuly in the Light of Jerusalem (1999)“. Seine Präsentationen waren unter anderem im de Young Museum in San Francisco (2008), im Museum of Fine Arts, Boston (2011), im Virginia Museum of Fine Arts, Richmond (2012), im Montreal Museum of Fine Arts, (2013), im Royal Ontario Museum, Toronto, (2016), im Crystal Bridges Museum of American Art, Bentonville, Arkansas (2017), im Groninger Museum, (2018), und im Royal Botanic Gardens, Kew in London (2019) zu sehen. Die Dauerschau „Chihuly Garden and Glass“ im Seattle Center wurde 2012 eröffnet.

Dale Chihuly über die „Grand Stairwell Installation“:

„Meine Einzelausstellung im Groninger Museum war eine große Ehre. Es war nicht nur meine bisher größte Ausstellung in einem europäischen Museum, in der ich meine Arbeit einem ganz neuen Publikum vorstellen konnte, auch die Ästhetik des Museums selbst war unheimlich inspirierend. Ich mag seine farbenfrohen, interessanten Räume – das Ergebnis der architektonischen Zusammenarbeit unter der Leitung von Alessandro Mendini – und es freut mich sehr, dass meine Grand Stairwell Installation eine dauerhafte Bleibe in diesem wunderbaren Haus gefunden hat.“

Nähere Informationen: Groninger Museum, Museumeiland 1, 9711 ME Groningen, Niederlande, Telefon +31 503666555, E-Mail: info@groningermuseum.nl. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Mikrokosmos – Die Welt in einer Wunderkammer

Ein ausgestopfter mechanischer Bär, der Tricks ausführt, ein mysteriöser Dodo-Knochen, anatomische Modelle und wunderschöne Nautilus-Tassen – die Ausstellung „Mikrokosmos – Die Welt in einer Wunderkammer“, die noch bis zum 1. März 2026 im Drents Museum in Assen/NL zu sehen ist, versammelt klassische Wunderkammer-Objekte, zeitgenössische Raritäten und Bildende Kunst – ein visuelles Spektakel, in dem die Magie des Sammelns zum Leben erweckt wird. Gleichzeitig ist es auch die Abschiedsausstellung von Generaldirektor Harry Tupan, der für diese große Wunderkammer-Retrospektive alle Register gezogen hat.

An dem Projekt arbeiteten unter anderem der Tätowierer Henk Schiffmacher, der Entdecker Redmond O’Hanlon, der Schriftsteller und Schauspieler Ramsey Nasr und der Biologe Midas Dekkers mit. In Zusammenarbeit mit dem Teylers Museum werden auch Objekte aus der Sammlung des des Fernsehmachers und Bibliophilen Boudewijn Büch (1948 – 2002) präsentiert.

Als Ausstellungsmacher hat Stupan Stadt und Land auf der Suche nach klassischen Wunderkammer-Objekten durchkämmt. Er entführt den Besucher in ein großes Gesamtkunstwerk, in dem die skurrilsten Kuriositäten neben besonderen zeitgenössischen Kunstwerken präsentiert werden – eine Ode an eine Welt, in der Wunder, Schönheit und Neugier im Mittelpunkt standen.

Die Ausstellung beleuchtet aber auch die Schattenseiten des Sammelns. Für die Besitzer war ein Kuriositätenkabinett ein Statussymbol, ein Zeichen der Intelligenz und des Wissens über die Welt. Die Objekte galten als exotisch und wurden nicht immer fair erworben.

In seiner Ausstellung zeigt Tupan Objekte aus der Sammlung des Drents-Museums, Leihgaben aus verschiedenen Museen wie dem Rijksmuseum und dem Naturalienkabinett Waldenburg sowie eine Vielzahl von Objekten aus Privatsammlungen.

Eigens für diese Ausstellung geben namhafte Sammler, mit denen Tupan eine besondere Verbindung hat, einen Einblick in ihre persönliche Wunderkammer-Sammlung.

Zeitgenössische Kunst

21 zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler reflektieren das Thema Wunderkammer auf ihre je eigene Weise. In der Ausstellung werden klassische Wunderkammer-Objekte wie Nautilustassen, Stofftiere und anatomische Modelle mit Bildender Kunst kombiniert. Künstler wie Daan Brouwer, Mark Dion und Dana Meyer lassen sich von Wunderkammern aus früheren Jahrhunderten inspirieren; und Carolein Smit bedient sich einer Bildsprache, die an Wunderkammern erinnert.

Jeroen Kuster erschafft nicht existierende biologische Arten und erfundene Sammlungen von Pflanzen und Tieren. Schädeln, Muscheln und Skelette sind im Werk von Clary Mastenbroek zu sehen. Roos Hollemann interessiert sich für Haut, Haare, Fell und Federn.

Somit zeigt die Ausstellung auch das Schaffen von Künstlern, die zum Nachdenken über das Sammeln und die Faszination für besondere Dinge – entweder von der Natur oder aus Menschenhand gemacht – anregen.

Zur Geschichte der Wunderkammern

Eigens angefertigten Kabinette oder Kabinette mit Kunstgegenständen und wundersamen Phänomenen aus dem vierzehnten Jahrhundert können als Vorläufer eines Museums angesehen werden.

In einem Schrank, einem Zimmer oder einer Palasthalle sammelten wohlhabende Menschen sowohl natürliche Gegenstände wie Muscheln, Steine und Stofftiere als auch von Menschenhand geschaffene Dinge. Das gilt auch für die Ausstellung: Gezeigt wird ein Mix aus originalen Wunderkammer-Objekten unterschiedlichster Art, thematisch unterteilt in die Sammlungsbereiche naturalia, artificialia, exotica und scientifica. In der Ausstellung treten die Besucherinnen und Besucher von einer wunderbaren Welt in die andere, jede mit ihrer eigenen erstaunlichen Atmosphäre.

Nähere Informationen: Drents Museum, Brink 1, 9401 HS Assen, Telefon 0592 377773, E-Mail: info@drentsmuseum.nl, Internet: www.drentsmuseum.nl. Geöffnet ist das Museum in der von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr.

Präsentation einer neuen Kollektion unter dem Titel „Wir haben MEHR!“

140 schöne, faszinierende oder aufregende Kunstwerke gehören zu einer erneuerten Kollektions-Präsentation des Museums „MORE“ im Ort Gorssel in den benachbarten Niederlanden. Es verfügt über eine eigene Sammlung von rund 900 Werken. In den vergangenen zehn Jahren sind mehr als 300 Werke durch Ankäufe, Schenkungen und langfristige Leihgaben hinzugekommen. Es gibt darunter auch Werke, die noch nicht ausgestellt wurden, weil die Sammlung einfach viel größer ist, als in den Museumsgalerien Platz ist.

In der neuen Präsentation können die Besucherinnen und Besucher eine große Anzahl von Erwerbungen und Werken aus dem Depot kennenlernen, zusätzlich zu den Meisterwerken, die fast ständig ausgestellt sind.

Reise entlang von acht Themen

In der neuen Ausstellung können die Besucherinnen und Besucher entlang von acht Themen kreuz und quer durch die Zeit fahren. Einige Themen ergeben sich aus dem dargestellten Motiv, während andere eher assoziativ oder intuitiv sind. Alle 140 Werke entsprechen den Sammlungs-Kriterien des Museum „MORE“: Sie basieren auf der sichtbaren Realität und stammen von Künstlern, die in der Zeit von 1900 bis heute in den Niederlanden tätig waren oder es noch sind.

Innenwelt

Die menschliche Innenwelt mit all ihren unterschiedlichen Stimmungen ist ein häufiges Thema in der MORE-Kollektion. Mit seinen gigantischen Akt-Selbstporträts, mit Kreide auf Käsetuch, zeigt Lise Lou Sore die Erfahrung extremer Emotionen. Gefühle, die universell erkennbar sind, sich aber oft sehr einsam anfühlen, wenn man sie erlebt. Ein hyperrealistisches Gemälde von Maudy Alferink verführt uns mit den bunten Kleidern des porträtierten Mädchens, aber was verrät uns das Werk über ihr Selbstbild und ihren Gemütszustand?

Abstrakter Realismus

Ist eine realistische Darstellung immer sofort erkennbar? Auf den ersten Blick wirkt Raquel Maulwurfs große Kohlezeichnung wie ein Spiel mit zufälligen Streifen und Flecken. Doch nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein: Der Titel „Agent Orange“ bezieht sich auf das Entlaubungsmittel, das im Vietnamkrieg (1955-1975) eingesetzt wurde. Das Muster basiert auf Satellitenbildern der sprühenden Flugzeuge, die in Formation fliegen. Theo van Amstel zeigt uns eine leichtere Performance, in einer rhythmischen Komposition aus Türkis und Weiß, Licht und Schatten. David Haines‘ kleine Bleistiftzeichnung ist hyperrealistisch und abstrakt und konzeptuell zugleich: Er arrangierte die Pillen, die seine Mutter am Ende ihres Lebens einnahm, als Gedichtzeilen.

Sie haben es geschafft

Wir zeigen Selbstporträts einer Vielzahl von Künstlern in unserer Sammlung. Sie haben die Werke gemacht, aber haben sie es auch in ihrem Beruf geschafft? Einige Künstler wie Charley Toorop, Carel Willink und zeitgenössische Künstler wie Levi van Veluw und Philip Akkerman sind bekannte Namen und leben oder lebten von ihrer Kunst. Andere haben sich nie wirklich durchgesetzt oder erst vor kurzem (wieder) entdeckt. Sie alle sind für uns als Museum wichtig, denn dank ihnen können wir existieren. Denn ohne Künstler gibt es kein Museum.

(Schnee-)Landschaften und Weiß

Die „Baumreihe“von Jan Mankes und „Beemster, Blühender Baum“von Charley Toorop sind zwei der beliebtesten Gemälde in der Sammlung. Auch Carel Willink und Wim Schuhmacher – von denen das MORE eine außergewöhnliche Anzahl von Werken besitzt – malen regelmäßig (Stadt-)Landschaften. Darüber hinaus enthielt die Sammlung bisher nur wenige Werke mit Landschaften oder Natur. Das hat sich unter anderem durch die Ankäufe von Ruud van Empels Fotocollage mit Kuhpetersilie geändert. Darüber hinaus spielt in einer Reihe der Kunstwerke die „Farbe“ Weiß eine Hauptrolle. Weiß der Blüte, Weiß des Schnees oder Weiß als leuchtender Kontrast dunkler Teile.

Straße und Konsum

Straße, Verpackungsmaterial und Müll, (Über-)Konsum und Lebensmittelindustrie, Reichtum, Armut, soziale Ungleichheit und das Wohnmobil eines Obdachlosen: Einkaufswagen stehen für viel mehr als nur Einkaufen. Das Künstlerduo „J&B“ thematisiert gesellschaftliche Themen mit Materialien „von der Straße“ mit drei Einkaufswagen aus Styropor. Während die Straße der Ort ist, an dem der eine zur Arbeit eilt und der andere auf dem Jahrmarkt Unterhaltung sucht, sucht ein dritter nach Essen oder Geschäften.

Stillleben

Das Stillleben war in den 1920-er und 1940-er Jahren bei realistisch malenden Künstlern sehr beliebt. Die MORE-Kollektion enthält daher eine Vielzahl von Stillleben: mit Gläsern, Gläsern, Pfannen, Blumen, Büchern, Früchten und vielen Eiern, aber auch toten Tieren oder Totenköpfen, oft mit einem kunstvoll drapierten Stück Stoff oder Papierstapel. Ausgewogene Kompositionen, die das Geschick des Künstlers bei der Wiedergabe aller Arten von Materialien zeigen, wie zum Beispiel der glänzenden Oberfläche von Glas. Während es sich bei Stillleben in der Regel um Gemälde handelt, kann man auch zeitgenössische räumliche Stillleben sehen. Manchmal mit dem gleichen symbolischen Wert wie vor 100 Jahren.

Beziehungen

Ob es sich um eine Beziehung zu Familie oder Kindern, einem geliebten Menschen oder (Ehe-)Partner, Freunden oder Kollegen handelt: Beziehungen sind essentiell für unser Dasein. Sie bringen uns Freude, Wärme, Ausgeglichenheit und Geborgenheit. Aber auch Zweifel und Irritation und Trauer, wenn die Beziehung in die Brüche geht oder der Wunsch danach unerfüllt bleibt. Wie stellen Künstler diese Komplexität dar? Mal mit Ironie und mit Distanz, mal süß oder schillernd.

Nackt

Die Kunstgeschichte ist voll von Akten. Lange Zeit handelte es sich dabei vor allem um anmutige weibliche Akte, die in biblische oder mythologische Szenen gehüllt waren. Ab dem späten 19. Jahrhundert gibt es auch Akte (Frauen und Männer) als Badende im oder in der Nähe des Wassers. Unter den modernen Realisten in der MORE-Kollektion sind alle Arten von Aktbildern zu sehen. Doch wann denken wir wirklich über Nacktheit nach und wo verläuft die Grenze zwischen erlaubter oder angenehmer Nacktheit und unangenehmer oder gar anstößiger Nacktheit? Wir betrachten Nacktheit in der Kunst oft anders als Nacktheit in der alltäglichen Realität. Und welchen Einfluss haben Geschlecht, Alter, Pose, Gesichtsausdruck und Kontext auf unsere Wahrnehmung eines nackten Körpers? Zu diesen Fragestellungen und deren Beantwortung möchte das Museum MORE anregen.

Nähere Informationen: Museum MORE, Hooftstrad 28, 7213 CW Gorssel, Telefon +31 575 760 306, Internet www.museummore.nl. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, und Burg Ruurlo, Vordenseweg 2, 7261LZ Ruurlo. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Kirchner. Picasso – zwei Künstler mit überraschenden Parallelen

Vom rauschenden Leben der Großstadt über die Intimität des Ateliers bis hin zur Stille der Berge: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind Ernst Ludwig Kirchner und Pablo Picasso Zeitzeugen einer neuen Epoche und erzählen in ihren Werken von Aufbruch, Krisen und Leidenschaft.

Die Ausstellung „Kirchner. Picasso“ im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster widmet sich erstmals umfassend diesen zwei einzigartigen Künstlern und ihren überraschenden Parallelen. Obwohl sie sich nie persönlich begegneten, näherten sie sich in ihren Bildwelten und Stilen an. 100 Werke aus bedeutenden europäischen Museen zeigen Gemeinsamkeiten und Gegensätze von zwei der wichtigsten Künstler der Moderne.

Zwei Künstlerbiografien

Ernst Ludwig Kirchner und Pablo Picasso wurden im Abstand von nur einem Jahr im deutschen Kaiserreich und in Spanien geboren. Unterschiedliche Wege führten sie an die Kunst heran. Gemein ist ihnen die Freude an Innovation, mit der sie ihren künstlerischen Ausdruck stetig neu erfanden. Die Ausstellung öffnet mit den Biografien Kirchners und Picassos, die das Leben der beiden Künstler nicht nur miteinander, sondern auch mit Geschehnissen der Zeitgeschichte verflechten. Zugleich werden Kirchner und Picasso in den größeren Kontext des deutsch-französischen Künstleraustauschs gestellt.

Das Leben in der Großstadt

Beide Künstler zeigen in ihren Bildern Menschen beim Tanzen, Musizieren oder im Varieté. Es geht um Glanz, Tempo und Ekstase – aber auch um das harte Leben hinter den Kulissen, die Einsamkeit und Armut. Die Ausstellung erzählt von beidem – von der Faszination der Bühne und von dem, was dem Publikum verborgen bleibt.

Porträt & Akt

Zu den bekanntesten Werken der beiden Künstler gehören ihre ausdrucksstarken Porträts. Im Fokus stehen die Bildnisse ihrer jeweiligen Lebenspartnerinnen. Anhand der Porträts lassen sich zudem die Stilentwicklungen Kirchners und Picassos besonders deutlich illustrieren. Auch das Motiv der Badenden, Symbol der Unbeschwertheit und des Lebensgenusses, bildet eine Konstante in den Werken der Künstler. Ob im Atelier oder in der Natur – der Akt durchzieht das Werk sowohl Kirchners als auch Picassos. Der Anblick nackter Frauenkörper im Kontrast zu teils bekleideten Männern wirft Fragen nach dem Verhältnis zwischen Maler und Modell auf. Auch das Atelier selbst spielt eine wichtige Rolle: Es ist mehr als nur ein Arbeitsraum – hier entstanden berühmte Werke, hier wurde nachgedacht, gelebt und manchmal auch einfach gemeinsam Zeit verbracht.

Selbstinszenierung

Nicht zuletzt beleuchtet die Ausstellung die Selbstinszenierung der beiden Künstler. Insbesondere Kirchner verewigte sich regelmäßig in Selbstporträts, die Auskunft über seine Lebenssituation zu verschiedenen Zeitpunkten geben. Das Leben als Künstler, ab er auch sein persönliches Ringen mit der eigenen physischen und psychischen Gesundheit offenbaren sich in diesen Werken. Picasso hingegen nutzte die mythologische Figur des Minotaurus, sich zu inszenieren und verstand es, sich in fotografischen Selbstporträts zu präsentieren.

Die Ausstellung ist vom 26. September bis zum 18. Januar 2026 zu sehen.

Nähere Informationen: LWL-Museum für Kunst und Kultur, Domplatz 10, 48143 Münster, Telefon: 0251 5907201, E-Mail: museumkunstkultur@wl.org. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr sowie jeden zweiten Freitag von 10 bis 24 Uhr geöffnet.

Harry Kramer und seine Zeit

Am 25. Januar 2025 wäre der in Lingen geborene Künstler Harry Kramer (*1925, Lingen +1997, Kassel) 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass realisiert die Kunsthalle Lingen unter dem Titel „Harry Kramer und seine Zeit“ eine Gruppenausstellung mit dem Anspruch, Automobile Skulpturen, Schiebeplastiken, Brotköpfe und Schiebebilder von Harry Kramer im Zusammenhang mit weiteren Werken von Künstlerinnen und Künstlern zu präsentieren, die ebenfalls Aspekte wie Bewegung, Relationale Ästhetik, Licht und aktive Teilnahme der Betrachterinnen und Betrachter in ihrer künstlerischen Arbeit mitgedacht haben.

Präsentiert werden zwei und dreidimensionale Kunstwerke der Künstlerinnen Eva Aeppli, Mary Bauermeister, Hanne Darboven, Rebecca Horn und Charlotte Posenenske und der Künstler Konrad Klapheck, Otto Piene, Dieter Roth und Jean Tinguely.

Die Ausstellung wird am Freitag, 13. September, 10 Uhr, eröffnet. Zu sehen ist sie bis zum 11. Januar 2026.

Zu Harry Kramer

„Eine zutiefst moderne, weil vielfach gebrochene und in sich reflektierte Künstlerrolle“ – so bezeichnet Stefan Lüddemann den gebürtigen Lingener Künstler Harry Kramer. Sein Werk ist von mehreren einzelnen Phasen geprägt, in denen sich der Bildhauer, der nie eine künstlerische Ausbildung absolvierte, ganz einer Sache verschrieb.

Wer Harry Kramer im Gedächtnis behalten hat, der kennt vor allem seine Drahtskulpturen. Zwischen 1961 und 1967 entstanden, sorgte er mit diesen „kinetischen Plastiken“ auf der documenta 3 für Furore: Der Korpus aus Drahtgitter, in Form einer Kugel, eines Kubus, später auch einer Hand oder einem Fuß nahekommend, ein kleinteiliger Kosmos aus schwarzen, gitterartigen Streben. Darin ein „System beweglicher Elemente“, über Gummibänder verbunden, die die Kraft eines kleinen Elektromotors übertragen und, wenn er eingeschaltet ist, den ganzen Aufbau stetig in Bewegung halten. Ruckartig, wie aus dem Takt gebracht, schwanken kleine Kugeln, Rädchen drehen sich, winzige Hämmer schlagen an Glöckchen, ein rastloses Wuseln im Drahtgestell. Innerhalb seines Werkes scheinen diese Plastiken aber wie der folgerichtige nächste Schritt: Von seinem mechanischen Theater – einer „unheimlichen Phantasmagorie“, schreibt 1955 ein Journalist der ZEIT über die „13 Szenen“, die in der Berliner Springer Galerie gezeigt werden – zu den automobilen Figuren, schon körperlos, bloße Köpfe auf Rändern, die sich robotergleich auf ihren großen Zahnrädern fortbewegen, und den Kurzfilmen mit ebenjenen Figuren und ihrer „bizarren Komik“ für die Kramer den Bundesfilmpreis und einen „Goldenen Löwen auf der Filmbiennale in Venedig erhält. Von dort ist es nicht weit zu den Drahtskulpturen der 1960er-Jahre.

Sie zitiert er auch in den Möbelskulpturen des späteren Jahrzehnts: Alltagsgegenstände werden kombiniert mit einfachen Möbelstücken, in grellen Farben bemalt und mit vereinzelten Glühbirnen beleuchtet. Diese Objekte ebenso wie die „Schiebeplastiken“, organische Formen mit passgenau zusammengefügten Teilelementen, die gegeneinander verschoben werden können, treffen auf zwiegespaltene Meinungen in der Kunstwelt. Kramer macht „aus dem sperrigen Kunstwerk ein Objekt, das ebenso Handschmeichler wie Augenfreude ist“ und von vielen als Versuch abgetan wird, endlich auch auf dem Kunstmarkt erfolgreich zu sein.

1970 erfolgt dann ein Einschnitt innerhalb seiner Arbeit: Er übernimmt die Professur für Bildhauerei an der Gesamthochschule Kassel: „Kunst nicht vorzuführen, sondern authentisch vorzuleben“ ist seine Maxime. In der flachen Hierarchie seiner Klasse unterstellt er seine eigene Produktion fast gänzlich dem Kollektiv, in dieser Phase entstehen nur wenige Arbeiten. Stattdessen wird er selbst zum Kunstwerk: In der Serie „Künstliche Menschen“ von 1972/73 werden zwei Automaten ausgestellt, die nach seinem Gesicht und Körper abgeformt sind. Wirft man eine Münze ein, bewegt der eine die karobedeckten Gliedmaßen, der andere öffnet eine kleine Flügeltür in seiner Brust und spielt eine Aufnahme von Kramers Stimme an.

Fast 10 Jahre nach seinem Antritt in Kassel begann er wieder mit einem eigenen Projekt, den Schrifttafeln zur Apokalypse: Auf 24 Tafeln befinden sich die Texte der Johannesoffenbarung, übersetzt in einen Code aus vier verschiedenfarbigen Punkten in Acryl. Zum Auftakt der Retrospektive Harry Kramers 1995 in Lingen waren diese Tafeln in eine spektakuläre Performance integriert, bei der der Künstler ebenfalls anwesend war. Auf der die Halle IV der Länge nach durchziehenden Empore wurden sie auf Staffeleien ausgestellt, und mit 20 Scheinwerfern beleuchtet, den einzigen Lichtquellen im Raum. Die Scheinwerfer eines LKW erleuchteten den Besuchern den Weg, die die Halle zum Avantgarde-Jazzrock der Band „Ugly Culture“ aus Köln betraten.

Sein letztes Projekt war die Nekropole in Kassel, ein Künstlerfriedhof für namhafte KünstlerInnen, den er zu großen Teilen aus seinem eigenen Kapital und dem Verkauf des Mechanischen Theaters finanzierte. Harry Kramer wurde selbst anonym auf dem Gelände am Habichtswald bestattet.

Biographisches

Harry Kramer wird am 25. Januar 1925 in Lingen geboren, in einer ärmlichen Umgebung, in der seine Eltern ihm ein Leben als Straßenfeger prophezeien, weil er der deutschen Rechtsschreibung nicht Herr wird. Als er 7 Jahre alt ist, stirbt seine Mutter an Tuberkulose. Danach zieht sich der schmächtige Junge Harry in sein Innerstes zurück, nennt sich, rückblickend auf diese Zeit, später einen Hochstapler. Nach einer Ausbildung zum Friseur und dem Kriegsdienst arbeitet er vier Jahre lang als Tänzer und Schauspieler, bevor er 1952 mit der Arbeit am „Mechanischen Theater“ beginnt. 1956 zieht er nach Paris, es folgen Aufenthalte in den USA, Ausstellungen und eine Gastdozentur an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. Von 1970 bis 1992 lehrt er Bildhauerei an der Gesamthochschule Kassel, in seinem letzten Jahr dort eröffnet die Kasseler Nekropole. Am 20. Februar 1997 stirbt Harry Kramer in Kassel.

Zum Kunstverein Lingen

Der Kunstverein Lingen wurde 1983 gegründet und und leistet seitdem durch Vermittlung zeitgenössischer Kunst einen wichtigen Beitrag zu Bildung und Aufklärung. Er ist eine von Mitgliedern getragene gemeinnützige Einrichtung und ist sowohl Träger der Kunstschule Lingen, verortet am Universitätsplatz, als auch der Kunsthalle Lingen, die sich an der Kaiserstraße befindet. Der Gründung voraus ging 1978 als freie Initiative von Künstler:innen und kunstinteressierten Bürger:innen der Stadt Lingen (Ems) die Lingener Mal- und Kreativschule, aus der heraus 1982 der Mal- und Kreativschul-Verein Lingen gegründet wurde.

Um unter seiner Trägerschaft auch Ausstellungen zeitgenössischer Kunst durchführen zu können, wurde dieser am 2. Juni 1983 in Kunstverein Lingen umbenannt. Von 1983 bis 1997 wurden Kunstwerke regional, national und international bekannter Künstler:innen im Foyer des Theaters an der Wilhelmshöhe präsentiert. Die Mal- und Kreativschule zog 1986 in Räume des Professorenhauses am Universitätsplatz, seit 1997 residiert sie als Kunstschule Lingen in der ebenso dort verorteten Alten Lateinschule. Der Kunstverein Lingen war Initiator des 1984 gegründeten niedersächsischen Landesverbandes der Kunstschulen.

Am 12. Oktober 1997 konnte die vom Kunstverein getragene Kunsthalle Lingen in großzügigen Räumen in der Halle IV des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerks eröffnet werden und vermittelt dort bis heute künstlerisch formulierte Inhalte zeitgenössischer Themen. Von 1995 bis 2003 war der Kunstverein Lingen Kunsthalle Sitz der Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstvereine (ADKV), in der er bis heute Mitglied ist. Der Kunstverein Lingen e.V. wurde 2021 mit dem Prädikat „Immaterielles Kulturerbe der Deutschen Unesco Kommission“ versehen.
Der Kunstverein Lingen beabsichtigt, einen positiven Beitrag für Gesellschaft, Kultur und Kunst zu leisten. Dies beinhaltet hohe Standards und ethische Ansprüche im Vereinsleben beider von ihm getragenen Institutionen nach innen und außen, den Respekt vor den Menschenrechten, den Respekt vor der Kunstfreiheit und die Unterstützung sozialer Organisationen. Gemeinsam legen die Kunstschule und die Kunsthalle Lingen Wert auf die Vermittlung von Kunst und die Wertschätzung der Kunstfreiheit in der Öffentlichkeit, insbesondere bei Kindern, Jugendlichen sowie sozial schwächer gestellten Bevölkerungsgruppen und setzen sich gegen jegliche Form von Diskriminierung im Hinblick auf ethnische Herkunft, Nationalität, Hautfarbe, Weltanschauung, Religion, Geschlecht, sexuelle Identität oder Alter ein.

Zur Kunsthalle Lingen

Sehen und Denken – die Kunsthalle Lingen ist das Zentrum für außerschulische Bildung und Aufklärung durch Vermittlung von bildender Kunst der Gegenwart. Es werden Einzel- und Gruppenausstellungen von regional, national und international bekannten Künstler:innen präsentiert, ergänzt durch ein breit gefächertes Programm an unterschiedlichen Formaten der Kunstvermittlung ebenfalls mit jeweils zeitgenössischem Inhalt. Heute gesellschaftlich und politisch relevante Aspekte wie zum Beispiel Ökologie, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz oder Postkolonialismus kommen in den Ausstellungen und den Formaten der Kunstvermittlung der Kunsthalle Lingen zur Sprache. Dies beginnt bereits bei der Präsentation von Kunstwerken unterschiedlicher Medien, gefertigt von Künstler:innen unterschiedlicher Herkunft.
Zum anderen fördert die Einbeziehung von Kulturproduzent:innen aus verschiedenen Bereichen den interdisziplinären Austausch und etabliert die Lingener Kunsthalle als offenes Forum für Kunstvermittlung unterschiedlicher Ansätze. Vorträge zu kunst- und philosophiespezifischen Themen, Gespräche mit Künstler:innen, Konzerte, Kunstreisen, Publikationen, Führungen oder Kochabende und ein breites Angebot an gestalterisch orientierter Kunstvermittlung für Menschen jeden Alters tragen zur Erfüllung des Bildungsauftrags der Kunsthalle Lingen bei.
Die Kunsthalle Lingen betreut und präsentiert in unterschiedlichen Ausschnitten einen Teil des Nachlasses des 1925 in Lingen geborenen Künstlers Harry Kramer, der 1964 an der documenta III in Kassel teilnahm und dort 1997 starb.

Kunstschule Lingen

Bilden mit Kunst: Forschen, Experimentieren, Kunst erleben und gestalten – die Kunstschule Lingen vermittelt Kunst und Kreativität. Die Kunstschule Lingen ist eine außerschulische Bildungseinrichtung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit kunst- und kulturpädagogischen Angeboten der bildenden sowie angewandten Kunst, wie zum Beispiel ästhetische Frühförderung, Malerei, Zeichnen, Druckgrafik, Holz- und Keramikwerkstätten. Sie bietet Wochenend- und fortlaufende Kurse, Ferienwerkstätten, Ausstellungen und Events, Fortbildungen, interdisziplinäre Projekte sowie regionale und überregionale Kooperationen an.

Im niedersächsischen Landesverband ist sie mit rund 40 anderen Kunstschulen vernetzt, die nach dem gemeinsamen Konzept „bilden mit kunst“ arbeiten und kontinuierlich kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe fördern. Neben dem Standort Lingen hat die Kunstschule drei Außenstellen in Baccum, Emsbüren und Spelle.
Die Kunstschule Lingen schafft Räume, in denen eigenständiges Handeln mit Kreativität und Fantasie mittels der Kunst möglich ist. Das Ziel ist die Stärkung der individuellen Fähigkeiten und kreativen Ausdruckskraft jedes Einzelnen. Die mit der ästhetisch-künstlerischen Bildung erworbenen sozialen und künstlerischen Schlüsselkompetenzen öffnen besonders bei Kindern die Sinne für ein neugieriges Lernen und kreatives Gestalten. Für Jugendliche als auch für Erwachsene bietet die Kunstschule eine berufliche Orientierung sowie künstlerische Weiterbildung.

Neben dem eigenständigen Bildungssystem hat die Kunstschule den konzeptionellen Schwerpunkt, innovative Impulse und Vernetzungen für das gesellschaftliche und kulturelle Leben in kommunalen und überregionalen Zusammenhängen zu schaffen.

Nähere Informationen: Kunsthalle Lingen, Kaiserstraße 10a, 49809 Lingen, Telefon 0591 59995, E-Mail: info@kunsthallelingen.de. Geöffnet ist die Kunsthalle von Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr sowie am Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

Quellen:

Internetseite der Kunsthalle Lingen

Lüddemann, Stefan: Harry Kramer. Kunst der Gegenwart aus Niedersachsen, Bd. 64. Bonn, 2007.

Die Zeit, 22/1955, 2. Juni, kgl. Online unter : http://www.zeit.de/1955/22/mechanisches-theater.

Wikipedia

Museum A bis Z – Von Anfang bis Zukunft

Das Von der Heydt-Museum in Wuppertal bietet im Rahmen einer Ausstellung noch bis Ende des Jahres vertiefte Einblicke in die Arbeit und die Aufgaben eines Museums; und es stellt sich dem Publikum zur Diskussion.

Was macht ein Museum aus, und wie sollte es in Zukunft sein? Welche Aufgaben hat ein Museum, und welche Wünsche hat das Publikum an das Museum als Institution und an das Von der Heydt-Museum im Speziellen?

Die Ausstellung „Museum A bis Z: Von Anfang bis Zukunft“ ermöglicht einerseits ungewohnte und unbekannte Einblicke in die Geschichte und die Vielfalt der Sammlung und richtet andererseits den Blick in die Zukunft. Neben den klassischen Aufgaben Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln prägt die Beschäftigung mit aktuellen Themen wie Diversität, Digitalisierung, Dekolonialisierung und Teilhabe zunehmend die Rolle von Museen.

„Museum A bis Z“ führt von Anfang bis Zukunft: von der Gründungsphase des Museums über Themen wie lokales und globales Sammeln, koloniale Kontexte, Provenienzforschung und Restitutionen bis hin zu möglichen Perspektiven für die weitere Entwicklung. Die Präsentation ergänzt damit die neu konzipierte Dauerausstellung „Zeiten und Räume. Klassiker der Sammlung“ und macht erstmals beispielhaft die überraschende Vielfalt der historisch gewachsenen Bestände des Von der Heydt-Museums sichtbar, einschließlich kaum bekannter Bereiche wie dem Kunstgewerbe und den außereuropäischen Objekten.

Gezeigt werden beispielsweise Textilien aus dem heutigen Indonesien und außereuropäische Plastiken, denen Wuppertaler Ansichten unter anderem von Adolf Erbslöh, Carl Grossberg, Erich Heckel, Oskar Schlemmer oder Marie Luise Oertel gegenübergestellt werden. Die Objektvielfalt wird über eine Ordnungsstruktur vermittelt, die außerhalb rein inhaltlicher Kategorien steht: So zeigen etwa Gemälde von Ottilie W. Roederstein, Emmy Klinker oder Paula Modersohn-Becker die Gattungsvielfalt der Malerei, während kunsthandwerkliche Objekte die Vielfalt von Material und Technik erlebbar machen.

Die Provenienzforschung bildet einen weiteren wichtigen Schwerpunkt der Ausstellung: Ihre Bedeutung wird mit dem Fokus auf das Gemälde „Bildnis Felix Benjamin“ von Max Liebermann erläutert, das 2023 an die Erben des von den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Felix Benjamin restituiert und anschließend zurückerworben wurde.

Ein zentraler Punkt der Ausstellung ist die barriereärmere Vermittlung sowohl im Museum als auch im digitalen Raum: Erstmals wird ein Tastmodell von Max Pechsteins Gemälde „Der Sohn des Künstlers auf dem Sofa“ für blinde und sehbehinderte Menschen den Weg zur Kunst erleichtern und durch ein eigens entwickeltes Führungsprogramm ergänzt.

Begleitet wird „Museum A bis Z“ von einem vielfältigen Vermittlungs- und Veranstaltungsprogramm. Vor dem Hintergrund des bevorstehenden 125. Geburtstags des Von der Heydt-Museums im Jahr 2027 lädt die Ausstellung dazu ein, über dessen heutige und zukünftige Aufgaben ins Gespräch zu kommen und Wünsche zu formulieren.

Programm zur Ausstellung

Kurator-Führungen am Donnerstag, 25. September, 16.30 Uhr, und am Dienstag, 4. November, jeweils ab 11.30 Uhr

Öffentliche Führungen am ersten Samstag im Monat, 4. Oktober, 1. November, 6. Dezember, jeweils ab 13 Uhr

Veranstaltungen: „Der chinesische Paravent. Wie der Kolonialismus in deutsche Wohnzimmer kam“ am Mittwoch, 12. November, 18 Uhr, und „Isidor. Ein jüdisches Leben“ am Mittwoch, 3. Dezember, 18 Uhr

Nähere Informationen: Von der Heydt-Museum, Turmhof 8, 42103 Wuppertal, Telefon 0202 5636231 und E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de. Geöffnet ist das Museum am Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, am Donnerstag von 11 bis 20 Uhr. Da das zweite Obergeschoss wegen Umbauarbeiten geschlossen ist, gibt es einen ermäßigten Eintrittspreis.

Dem Himmel so nah

Wer hat sich nicht schon einmal verträumt im Anblick des Himmels verloren, ein Gesicht in den Wolken entdeckt oder wechselnde Lichtphänomene bestaunt? Wolken faszinieren durch ihre Flüchtigkeit und ihre fragile Anmut. Mal leicht und schwebend, mal schwer und bedrohlich spiegeln sie unsere Stimmungen. Seit Jahrhunderten inspirieren Wolken die Kunst. Sie stehen für Göttliches, erhabene Naturschönheit und Atmosphäre, für Vergänglichkeit und Sehnsucht – und heute auch für Klimawandel, Umweltzerstörung und Krieg.

Die Kunsthalle Emden widmet dem vielschichtigen Thema eine umfangreiche Ausstellung, die auch eine Hommage an den ostfriesischen Himmel ist. Gezeigt werden Werke aus verschiedenen Epochen und Gattungen, von der klassischen Landschaft bis zur zeitgenössischen Installation. Der Himmel lässt sich so in seiner poetischen wie politischen Dimension neu entdecken – aber auch als Spiegel des Inneren und als Zeichen unserer Zeit verstehen.

Künstlerinnen und Künstler

Die Ausstellung präsentiert gut einhundert Werke aus mehr als 150 Jahren von über 30 internationalen Künstlerinnen und Künstlern: Heiner Altmeppen, Jean Arp, Sven Drühl, Berend Goos, Anna Grath, Daniel Hausig, Wenzel Hablik, Erich Heckel, Geoffrey Hendricks, Almut Linde, Hiroyuki Masuyama, Bjørn Mehlus, Nanne Meyer, Lyoudmila Milanova, Gabriele Münter, Emil Nolde, Yoko Ono, Robin Page, Ursula Palla, Richard Prince, Franz Radziwill, Gerhard Richter, Simon Roberts, Alexander Rodtschenko, Yvonne Roeb, Christian Rohlfs, Ugo Rondinone, Valentin Ruths, Michael Sailstorfer, Josef Scharl, David Schnell, Gustav Schönleber, Nedko Solakov, Klaus Staeck, Rolf Staeck, Walter Strich-Chapell, Hans Trimborn, Nasan Tur und Felix Vallotton.

Die Ausstellung ist noch bis zum 2. November zu sehen.

Nähere Informationen: Kunsthalle Emden, Hinter dem Rahmen 13, 26721 Emden, Telefon: +49 4921 9750-50, E-Mail über die Internetseite. Die Ausstellung ist Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr sowie am Samstag und Sonntag sowie an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Zusätzlich ist jeden ersten Dienstag im Monat von 10 bis 21 Uhr geöffnet.